Glasgow (dpa) - Den Laufschuh wird sie diesmal sicher besser anziehen. Gegen einen zweiten Platz wie beim Heim-Weltcup in Hamburg hätte Laura Lindemann allerdings beim EM-Rennen der Triathletinnen in Glasgow an diesem Donnerstag (14.30 Uhr) nichts einzuwenden.

Die 22 Jahre alte Potsdamerin ist die große Podest-Hoffnung der Deutschen Triathlon-Union. "Ich habe diese Saison viel dafür gearbeitet und denke schon, dass ich in Glasgow in den Medaillenkampf eingreifen kann - ich will es auf jeden Fall", sagte Lindemann.

2016 gewann Lindemann die U23-Weltmeisterschaft, auf der Sprintdistanz wurde sie im vergangenen Jahr Europameisterin, dazu kam Mitte Juli der zweite Platz beim Weltcup in Hamburg. Der Sieg wäre dabei auch drin gewesen, hätte sie beim Wechsel vom Rad aufs Laufen den zweiten Schuh richtig angezogen. "Für solche Momente macht man das alles", erklärte Lindemann aber nach ihrer grandiosen Aufholjagd bis aufs Podium. In Glasgow will sie diese Momente wieder erleben.

Einer, der bei den Männern zumindest für einen Top-Ten-Rang am Freitag (17.00 Uhr) über die Olympische Distanz von 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und 10 Kilometern Laufen gut gewesen wäre, kann nicht. Justus Nieschlag, deutscher Meister von 2017, musste seine Teilnahme absagen. Seit Mai absolvierte der Saarbrücker kein Rennen mehr, eine Achillessehnenverletzung machte ihm zu schaffen. "Die Sehne braucht halt noch ein paar Wochen mehr Zeit", erklärte der 26-Jährige.

Nachgerückt ist dafür Johannes Vogel, 22 Jahre alt, und Debütant bei einer internationalen Elite-Meisterschaft, in die der zweimalige britische Olympiasieger Alistair Brownlee als Top-Favorit geht. "In so einem starken Feld bin ich noch nie gestartet, daher möchte ich mich einfach so teuer wie möglich verkaufen und alles geben, so dass ich mir am Ende des Tages nichts vorwerfen kann", sagte der Potsdamer Vogel. Bisher verbinde er mit Schottland "Röcke, Loch Ness und grüne Landschaften". Nun kommt der Strathclyde Country Park hinzu, dort finden die Rennen statt, am Freitag sind die Männer dran, am Samstag die Mixed-Staffel.

Für die deutsche Triathlon-Union gibt es dabei eine klare Zielsetzung. "Wir streben im Einzelrennen bei den Männern ein Top 10 Ergebnis, im Frauenbereich ein Top 3 Ergebnis an", sagte Sportdirektor Jörg Bügner. "Von der Staffel erwarten wir eine Platzierung unter den besten fünf europäischen Nationen, damit die durchwachsene Saison einen versöhnlichen Abschluss erfährt."

Ein Medaillen-Start durch Lindemann wäre dabei ein Zielerfüllungsbeschleuniger. Angeführt wird die Konkurrenz von Titelverteidigerin Jessica Learmonth aus Großbritannien. Lindemann bewies aber schon mehrfach, dass sie in der internationalen Spitze auch ihren Platz hat.