Doha (dpa) - Ein Mitglied des Nike Oregon Projects? Bei der Leichtathletik-WM in Doha werden die Läufer nicht mehr nur in Nationen eingeteilt. Mittlerweile gibt es eine inoffizielle neue Kategorie.

Sieben Sportler aus dem Camp des gesperrten Star-Trainers Alberto Salazar sind in Doha am Start - darunter das deutsche Toptalent Konstanze Klosterhalfen. Der Fall hat für viele Schlagzeilen bei der WM gesorgt.

Der Generalverdacht lastete erst einmal über allen. Nun sagte US-Anti-Doping-Agentur-Chefs Travis Tygart im ZDF, dass kein WM-Teilnehmer in den Fall verwickelt sei. Bei den Ermittlungen sagten Sportler aus, die bis 2014 dabei waren. Welche Läufer Konsequenzen aus dem Urteil mit der vierjährigen Sperre für Salazar und Mediziner Jeffrey Brown ziehen, ist noch offen.

Das Logo des Projekts zeigt übrigens einen Totenkopf und zwei Lorbeerblätter. Dass es dunkle Tage für die Verantwortlichen in Oregon sind, zeigte die Homepage: Auf einer schwarzen Fläche ist ein Hinweis auf Salazars Statement, der sich gegen das Urteil wehrt.

Am Dienstagabend rannte der Amerikaner Donavan Brazier zu Gold über 800 Meter. Er kenne Salazar "kaum", sagte er. "Als die Ermittlungen begannen, wusste ich noch nicht mal, was das Oregon Project ist." Er sei ja erst 2018 dazugestoßen. Der 22-Jährige wird - wie Klosterhalfen - von Salazar-Assistent Pete Julian betreut.

Auch 10.000-Meter-Weltmeisterin Sifan Hassan (Niederlande), Titelanwärterin über 1500 Meter, hat sich in Portland zu einer absoluten Weltklasseläuferin entwickelt.

Die ausgewählten Athleten schwärmen von den hochprofessionellen Bedingungen beim Oregon-Projekt: Unterwasser-Laufbänder, Räume, die Höhenluft simulieren, umfangreiche Betreuung von Ärzten und Physiotherapeuten. "Dort dreht sich alles nur ums Laufen. Alles ist danach ausgerichtet - das ist vielleicht der größte Unterschied", sagte Klosterhalfen kürzlich. "Es ist wie jeden Tag Trainingslager."

Der Campus befindet sich auf dem Hauptgelände des Sportartikelherstellers Nike, dem Haupt-Geldgeber. Bereits 2001 hatten Nike und der in Kuba geborene Salazar das Projekt gegründet. Der gebürtige Kubaner gewann einst dreimal den New-York-Marathon und bekam als Läufer mit seinem gnadenlosen Ehrgeiz gesundheitliche Probleme. Der heute 61-Jährige wollte damals die Vormachtstellung der übermächtigen Ausdauersportler aus Afrika durchbrechen.

Der in Somalia geborene Brite Mo Farah ist Salazers erfolgreichster Schützling: viermal Olympiasieger über 5000 und 10.000 Meter, sechsmal Weltmeister. Auch der amerikanische Top-Läufer Galen Rupp, Olympia-Zweiter 2012 über 10.000 Meter und Olympia-Dritter im Marathon 2016, errang seine größten Erfolge aus dem Nike Oregon Project heraus.

Farah hatte sich 2017 mit seinem Wechsel zum Marathon einen neuen Trainer in Großbritannien gesucht und sagte nach dem Doping-Beben, es dürfe "keine Toleranz für irgendjemanden geben, der die Regeln bricht oder eine Linie überschreitet". Tygart wiederum erklärte: "Die Athleten waren Versuchstiere, so muss man es sagen."

Mitteilung USADA

Statement Salazar

Nike Oregon Project