Venedig (dpa) - Der größte Star des Tages war ohne Frage Brad Pitt. Doch der Besuch aus Hollywood machte sich am Donnerstag erst einmal rar in Venedig.

Die ersten Fans warteten zwar schon am Vormittag am roten Teppich, wo der 55-Jährige am Abend das Weltraumabenteuer "Ad Astra" mit Tommy Lee Jones, Liv Tyler und Ruth Negga vorstellen sollte. Bis er sich zum ersten Mal beim Festival blicken ließ, verging allerdings einige Zeit - und die nutzte die saudi-arabische Regisseurin Haifaa Al Mansour, die ebenfalls im Wettbewerb eine deutsche Koproduktion vorstellte.

"Frauen in der ganzen Welt müssen ihr Können mehr beweisen und härter kämpfen", sagte die 45-Jährige. Als Frau strahle man anders als Männer nicht per se Autorität aus. "Es wird immer Widerstand geben." Sie träume allerdings von einer Welt, in der Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt miteinander leben könnten und ergänzte unter Tränen "Ich will, dass meine Tochter genau das in der Zukunft erleben kann".  

Ihr emotionaler und kämpferischer Auftritt passte damit bestens zu ihrem Film "The Perfect Candidate": Eine junge Ärztin kandidiert in Saudi-Arabien für die Kommunalwahlen und muss dabei gegen die von Männern dominierte Gesellschaft kämpfen. Al Mansour, die bereits mit "Das Mädchen Wadjda" international Aufmerksamkeit bekam, erweist sich einmal mehr als starke Stimme für den Wandel in ihrer Heimat und die Rolle der Frauen.

Auch bei der Pressekonferenz zu "Marriage Story" war die Beziehung zwischen Männern und Frauen zentrales Thema - allerdings auf einer privateren Ebene. Schließlich erzählt Regisseur Noah Baumbach in dem vom Streamingdienst Netflix produzierten Drama von einem Paar (gespielt von Scarlett Johansson und "Star Wars"-Star Adam Driver), das sich scheiden lässt. Die beiden mögen sich noch, doch sobald Anwälte eingeschaltet sind, entwickelt sich die Trennung zu einer schmutzigen, verletzenden und demütigenden Angelegenheit.

Baumbach, der auch das Drehbuch schrieb, offenbart dabei, wie sich zwei Menschen, die sich einst liebten, immer mehr voneinander entfernen. Die Eltern eines kleinen Sohnes werden in "Marriage Story" von Driver und Johansson mit so vielen Nuancen verkörpert, dass man auch im Publikum den Schmerz spürt - eine nicht immer einfache, aber intensive Erfahrung.

Kurz darauf gehörte die Bühne dann Brad Pitt. Mit Schiebermütze und schlichtem Shirt präsentierte sich der 55-Jährige bei der Pressekonferenz betont lässig. Auch in "Ad Astra" dominierte er die Leinwand: In dem Science-Fiction-Drama von James Gray spielt er den Astronauten Roy McBride, dessen Vater (Tommy Lee Jones) vor 29 Jahren bei einer Mission im Weltraum verschollen ist. Nun gibt es Anzeichen, dass er doch noch lebt, vielleicht sogar eine Bedrohung für die Menschheit ist.

Roy soll durchs All reisen, um ihn zu finden. Doch Roy ist hin- und hergerissen zwischen der Freude, seinen Vater möglicherweise bald wiederzusehen und der Ahnung, dass das Militär diesen am liebsten auslöschen würde. Wenn Roy durch den Weltraum schwebt, sind die Bilder durchaus imposant, dennoch zieht sich die Geschichte in gut zwei Stunden etwas zu sehr in die Länge. Das allerdings dürfte den Fans in Venedig egal sein: Sie brachen jedes Mal in kollektiven Jubel aus, wenn sich Brad Pitt doch noch zeigte.

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