New York (dpa) - Zwei Wochen nach dem Start ihrer Segelreise über den Atlantik hat die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg New York erreicht.

Nach Tausenden Seemeilen auf dem Ozean ging die 16-Jährige am Mittwochnachmittag (Ortszeit) vor Hunderten Schaulustigen, jungen Aktivisten und Medienvertretern von Bord der Rennjacht "Malizia", mit der sie über den Großen Teich gesegelt war. In der Hand hielt sie ihr berühmt gewordenes Protestschild mit der Aufschrift "Skolstrejk för klimatet" (Schulstreik fürs Klima), das bereits am Freitag erstmals bei einem Klimaprotest auf US-Boden zum Einsatz kommen dürfte.

"All das hier ist sehr überwältigend. Der Boden wackelt noch", sagte die junge Schwedin unmittelbar nach ihrer Ankunft im Hafen North Cove Marina in Manhattan. Der Transatlantik-Törn sei überraschend gut gewesen. "Ich habe mich nicht ein Mal seekrank gefühlt", sagte sie. Vom norddeutschen Segelprofi Boris Herrmann, der seinen prominenten Gast gemeinsam mit seinem Co-Skipper Pierre Casiraghi über den Ozean gebracht hatte, gab es Lob. "Sehr wenige Menschen hätten das geschafft", sagte er.

Thunberg kündigte an, bereits am Freitag bei einem Klimaprotest vor dem Gebäude der Vereinten Nationen dabei sein zu wollen. Zu einem Foto von sich in der U-Bahn, auf dem sie recht müde in die Kamera blickt, schrieb sie: "Ich werde mich jetzt ein paar Tage ausruhen und am Freitag am Streik vor den UN teilnehmen." Wie es sei, nach der Reise in New York zu sein? "Das fühlt sich ziemlich unwirklich an", sagte sie der schwedischen Zeitung "Aftonbladet", als sie mit der U-Bahn zu ihrem Hotel in Manhattan fuhr. Nach dem Extrem, auf offener See völlig isoliert zu sein, müsse sie nun viele Eindrücke verarbeiten.

UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte sie bereits via Twitter in der US-Metropole: "Willkommen in New York, Greta Thunberg!", schrieb er. Nun müsse die internationale Gemeinschaft den Forderungen der Menschen weltweit gerecht werden und die globale Klimakrise angehen.

Vor der Aktivistin liegen eine Reihe von Klimakonferenzen, Protesten und weiteren Terminen. Der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York startet am 21. September, ihm folgt zwei Tage später der UN-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der UN-Generalversammlung. Rundherum gibt es international koordinierte Klimaproteste der Fridays-for-Future-Bewegung. Thunberg will außerdem andere Aktivisten, Entscheidungsträger und Betroffene des Klimawandels treffen.

Aus Thunbergs Umfeld verlautete auch, dass sie zu politischen Gesprächen nach Washington fahren wolle. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump, der eine klimafeindliche Politik betreibt, scheint aber ausgeschlossen. Nach ihrer Ankunft wiederholte Thunberg ihren Standpunkt, es bringe nichts, Trump überzeugen zu wollen, wenn er nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaft hören wolle. "Wenn es niemand geschafft hat, ihn von der Klimakrise und der Dringlichkeit zu überzeugen, warum sollte ich es dann schaffen?" Sie werde sich vielmehr darauf konzentrieren, auf die Dringlichkeit der Klimakrise aufmerksam zu machen.

Auch auf See seien die Nachrichten von den Bränden im Amazonasgebiet nicht an ihr vorbeigegangen, sagte Thunberg. Die Lage im Amazonas sei niederschmetternd. "Unser Krieg gegen die Natur muss aufhören."

Thunberg versicherte, ihr Plan sei weiterhin, im Dezember auch an der Weltklimakonferenz in Santiago de Chile teilzunehmen. Die Konferenz müsse einen entscheidenden Wendepunkt im Kampf fürs Klima darstellen, sagte sie. Wie sie dorthin komme, wisse sie noch nicht genau. Auf das Fliegen werde sie aber wieder verzichten. Stattdessen werde sie vermutlich in einer Menge Zügen und Bussen sitzen, auch eine weitere Reise per Segelboot schloss sie nicht aus. Die Hauptstadt von Chile liegt rund 8500 Kilometer südlich von New York.

Thunberg, Herrmann, Casiraghi sowie Thunbergs Vater Svante und ein Filmemacher waren am 14. August gemeinsam im südenglischen Plymouth gemeinsam in See gestochen. Die Klimaaktivistin verzichtet auf Flugreisen, weil auf diesen besonders viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden. Deshalb entschied sie sich dazu, den Weg über den Atlantik per Hochsee-Segeljacht zu machen. In Übersee will sie ihren Kampf gegen die Klimakrise nun auf eine neue Ebene heben. Dafür hat sie ein Jahr Auszeit von der Schule genommen.

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Bericht Aftonbladet

   

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