Pyeongchang (dpa) - Mit gewaltigen Emotionen ist die Wundertruppe von Bundestrainer Marco Sturm tatsächlich mit dem 4:3-Sieg gegen Kanada ins Olympia-Endspiel von Pyeongchang eingezogen und kann am Sonntag eine der größten Sensationen der deutschen Sportgeschichte perfekt machen.

Das Eishockey-Jahrhundertspiel rührte fast alle zu Tränen. "Warum sollen wir nicht Olympiasieger werden? Wir spielen doch das Finale - lass mal Olympiasieger werden!", stammelte Abwehr-Ass Moritz Müller, nachdem das DEB-Team durch das grandiose 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) gegen Rekord-Olympiasieger Kanada schon die Silbermedaille sichert hat. "Das war ein Jahrhundertspiel", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Der Präsident musste beim größten Erfolg des deutschen Eishockeys auf der Tribüne selbst weinen.

Sonntag im Endspiel gegen die Turnierfavoriten der Olympischen Athleten aus Russland scheint nun alles möglich. "Wir wollen mehr, wir können mehr", sagte Deutschlands bislang erfolgreichster Olympia-Stürmer Patrick Hager. "Verrückte Welt. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Sturm am Freitag völlig abgekämpft und mit feuchten Augen nach der nächsten Olympia-Sensation, nur zwei Tage nach dem 4:3 gegen Weltmeister Schweden.

Beide Siege gehen schon jetzt in die Eishockey-Geschichte ein: Niemals zuvor hat eine deutsche Auswahl auch nur eine der beiden Eishockey-Großmächte bei Winterspielen besiegt. Die sensationelle Bronzemedaille von 1976 ist endgültig übertroffen. "Jeder redet noch von 1976. Für die nächsten 50 Jahre wird jeder von diesem Team reden", sagte der frühere NHL-Star Christian Ehrhoff.

Auf der Tribüne rasteten die versammelten deutschen Athleten schier aus, als der Sieg nach einer zwischenzeitlichen Gala gegen verzweifelte Kanadier endlich perfekt war. "Am Ende sind dann alle Dämme gebrochen. Es haben wahrscheinlich noch nie so viele weinende Männer auf engstem Raum gestanden, zumindest habe ich es in der Form noch nicht erlebt", sagte DOSB-Chef Hörmann. "Der Erfolg ist schon eine gefühlte Goldmedaille. Das ist Wahnsinn, ich bin sprachlos."

Auch zuhause in Deutschland fieberten Millionen TV-Zuschauer mit, darunter jede Menge Sportprominenz. "Jetzt ist alles möglich. Neue Helden braucht das Land", sagte Ex-DEB-Kapitän Alois Schloder der Deutschen Presse-Agentur. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff schickte dem deutschen Team eine Videobotschaft. "Wow! Das ist der Wahnsinn, was ihr da geschafft habt, was ihr da leistet", sagte Bierhoff.

"Wir sind alle total fasziniert von der Eishockey Mannschaft und haben mitgefiebert!!!", twitterte Tennis-Legende Boris Becker, und Ex-Weltklasse-Handballer Stefan Kretzschmar schrieb: "The real miracle on ice. Wir spielen am Sonntag um den Olympiasieg. Finaaaaale. Wahnsinn." Auch von den deutschen NHL-Profis gingen aus Nordamerika Glückwünsche ein. "Ihr seid ja völlig wahnsinnig", sagte Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl.

Weil sich die nordamerikanische Profiliga erstmals seit 1994 geweigert hatte, die Saison für Olympia zu unterbrechen, fehlen allen Teams die besten Spieler. Umso unglaublicher war die Art und Weise, mit der die nur aus DEL-Spielern bestehende deutsche Truppe den 26-maligen Weltmeister teilweise auseinander nahm.

Nach Treffern von Brooks Macek (15. Minute), Matthias Plachta (24.), Frank Mauer (27.) und Patrick Hager (33.) - eins schöner als das andere - führte der Außenseiter bereits 3:0 und 4:1, ehe die Kanadier im letzten Drittel noch einmal richtig Druck machten. Doch die aus den besten europäischen Ligen zusammengestellte Mannschaft kam im letzten Drittel nur noch zu zwei Toren von Mat Robinson (43.) und Derek Roy (50.). Zuvor hatte Gilbert Brule (29.) getroffen und musste vier Minuten später nach einem üblen Check gegen David Wolfs Kopf vom Eis. Der Ausgleich - er fiel am Ende nicht mehr, der Rest war deutscher Jubel auf dem Eis und den Rängen.

Im Moment des größten Triumphs für das deutsche Eishockey offenbarten die aktuellen Lieblinge der Nation forsch, schon vor Olympia die "Mission Gold" ins Leben gerufen zu haben. Im Trainingslager in Füssen wurde die WhatsApp-Gruppe der Spieler tatsächlich so genannt. "Ja denn, warum nicht? Warum nicht wir?", sagte Ehrhoff zum Olympia-Finale. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert."

Den für die Spieler möglicherweise einmaligen Erfolg in ihrer Karriere feierten sie lautstark singend auf dem Eis, in der Kabine und auf der Rückfahrt ins olympische Dorf im Bus. "Ich werde die Medaille in meinem Leben nie wieder ausziehen", sagte Angreifer Dominik Kahun im Unwissen, mit welchem Edelmetall er am Montag tatsächlich nach München zurück fliegt. "Alles ist möglich", sagte Bundestrainer Sturm.

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