Harz l Es ist in der Nacht zum Sonntag gekommen, wie von den Meteorologen prophezeit: Unablässiger Schneefall, dazu eisiger Wind, der den trocken-leichten Schnee in Windeseile zusammenschob. Jene Schneeverwehungen entwickelten sich im Tagesverlauf zur größten Herausforderung: Kaum hatten die Räumdienste die Straßen geschoben, wurden sie binnen kürzester Zeit wieder zugeweht. Analog galt das für Anwohner, die zwischen Schierke, Elbingerode, Dingel- stedt und der Stadt Falkenstein/Harz versuchten, die Gehwege passierbar zu halten.

Aufgrund der Lage war schon am frühen Sonntagmorgen bei den Harzer Verkehrsbetrieben (HVB) die weiße Fahne gehisst worden: „Wir haben entschieden, am heutigen Sonntag den Fahrbetrieb nicht aufzunehmen. Alle Signale bleiben bei uns auf Rot“, so HVB-Geschäftsführer Christian Fischer. Und das gilt nach seinen Worten mindestens bis zum heutigen Montag, 12 Uhr. Um 10.30 Uhr soll entschieden werden, ob und auf welchen Strecken wieder Busse fahren können. Stand gestern sah es gar nicht gut aus: Mehrere der fünf Betriebshöfe waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten, zahlreiche Straßen trotz des Räumdienstes nicht für Busse passierbar und ein Großteil der insgesamt 1200 Haltestellen im HVB-Gebiet nicht geräumt. „Es ist eine absolute Ausnahmesituation“, so Fischer, der alle Fahrgäste um Verständnis bittet. Die HVB böten ihnen bei Bedarf Bescheinigungen für die Arbeitgeber an, dass der Verkehr aufgrund höherer Gewalt eingestellt worden sei.

Zugverkehr eingestellt

Wegen Schneefalls und -verwehungen war auch der Zugverkehr in Mitteldeutschland erheblich eingeschränkt. Die weißen Massen zwangen Abellio-Rail Mitteldeutschland am Sonntagmorgen in die Knie. Betroffen waren unter anderem die Strecken von Halle, Dessau und Magdeburg in Richtung Bernburg, Aschersleben und Halberstadt sowie die gesamte Harzregion (Quedlinburg, Thale, Wernigerode bis nach Goslar). Die Situation auf den Straßen lasse leider keinen Ersatzverkehr mit Bussen zu. Fahrgäste würden dringend gebeten, auf jedwede Fahrten zu verzichten, bis sich die Wettersituation verbessert, so Abellio-Sprecher Matthias Neumann.

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Nur kleinere Feuerwehr-Einsätze

Ein Appell, der auf offene Ohren stieß. Laut Polizei, Rettungsleitstelle und Winterdienst folgten viele Harzer dem Aufruf, am besten daheim zu bleiben. Auch die Feuerwehren, so ein Sprecher der Leitstelle, hätten kaum etwas zu tun. Am Sonntagmittag gab es einen Einsatz wegen eines großen Astes, der im Kreuzungsbereich von B 81 und Landesstraße 94 bei Almsfeld/Wendefurth abzubrechen drohte. Die Wehren aus Altenbrak und Treseburg rückten aus, um die Gefahr zu beseitigen.

Kameraden räumen Depots frei

Für die sieben Kameraden der hauptberuflichen Wachbereitschaft der Feuerwehr Halberstadt war derweil im Tagesverlauf Wintersport angesagt, wie Wehrsprecher Chris Buchold berichtet: „Sie räumten die Ein- und Ausfahrten unseres Depots, das war die Tagesaufgabe. Die übrigen Kameraden sind alle drin im Warmen und vorbereitet, falls sie gebraucht werden.“

Ab 3 Uhr auf den Straßen

Gebraucht wurden derweil die Frauen und Männer der Winterdienste. Egal, ob regionale Dienste in den Kommunen oder die Truppen der Landesstraßenbaubehörde (LSBB), die Bundes- und Landesstraßen räumen: „Bei uns ist alles, was laufen und fahren kann, im Einsatz“, so die Auskunft des Halberstädter LSBB-Regionalchefs Michael Schanz. „Wir halten die Straßen im Harzkreis weitestgehend befahrbar – unsere Technik hält auch durch“, so seine Bilanz am Sonntagnachmittag. Problematisch seien die Verwehungen auch hier. „Kaum haben wir eine Straße frei, ist sie eine halbe Stunde später wieder zugeweht.“ Aber: „Die Rückmeldungen von meinen Kollegen besagen, dass wenig Verkehr unterwegs ist und alle übrigen sehr vernünftig fahren.“

Im Harzkreis starte die LSBB von den Basisstationen in Halberstadt, Gernrode sowie in Almsfeld zum Winterdienst. Zudem sei Technik bei der jetzigen Autobahnmeisterei in Wernigerode untergestellt. Während die Autobahnen rund um die Uhr freigehalten werden sollen, gelte für die Bundesstraßen ein Zeitfenster von 6 bis 22 Uhr. „Das bedeutet, dass unsere Leute spätestens ab 3 Uhr auf Achse sind.“

Mülltouren verlegt

Die Rettungsdienste waren laut Leitstelle am Sonntag weitgehend normal im Einsatz. „Alle Fahrzeuge sind mit Schneeketten versehen – wir kommen durch, nur dauert es zuweilen etwas länger“, so ein Sprecher der Leitstelle.

Auswirkungen hat der extreme Wintereinbruch auch auf die Abfallwirtschaft Nordharz. Die Auslieferung der gelben Tonnen ist nach Angaben von Geschäftsführer Dirk Hirschfeld ab heute gestoppt. Bis Samstagabend sei noch in Wernigerode ausgeliefert worden, in dieser Woche sollte neben Wernigerode auch Ballenstedt beliefert werden. „Das ist bis auf weiteres hinfällig“, so Hirschfeld. Zudem seien alle für den heutigen Montag geplanten Entsorgungstouren auf Samstag, 13. Februar, verlegt worden, kündigte er Sonntagabend an.

THW räumt Laderampen frei

Am Abend rückte dann noch das THW aus: Bei Primed in Halberstadt hatte es wegen der Hanglage extreme Schneeverwehungen gegeben. „Das THW ist mit Radladern unterwegs, um die Laderampen freizumachen“, so ein Sprecher der Leitstelle.

Kindergärten im Nordharz geschlossen

Aufgrund der extremen Winterwetterlage bleiben in der Gemeinde Nordharz am heutigen Montag sowohl die kommunalen Kindertagesstätten als auch die Gemeindeverwaltung geschlossen. Darüber hat Verwaltungssprecherin Vera Heinrich noch am Sonntagabend informiert. Nach ihren Worten reagiert Bürgermeister Gerald Fröhlich (parteilos) damit auf die massiven Schneefälle und Verwehungen vom Wochenende. Betroffen seien die fünf kommunalen Kindereinrichtungen in Abbenrode, Heudeber sowie Langeln, Stapelburg und Veckenstedt.