Tomaszow Mazowiecki (dpa) - Claudia Pechstein verweigert sich weiter einem Start im deutschen Eisschnelllauf-Trio, DOSB-Präsident Alfons Hörmann spricht ein Machtwort.

Im Streit zwischen der fünfmaligen Olympiasiegerin und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft fordert der deutsche Sportchef nun Gespräche aller Beteiligten. Der Verband sei in einem "insgesamt besorgniserregenden Zustand", sagte Hörmann im Interview des ZDF. "Es müssen jegliche Egoismen in den Hintergrund treten und es muss auch die Bereitschaft da sein, jeden Stein einmal umzudrehen", fügte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes hinzu. "Nur dann, wenn man in eine schonungslose Analyse einsteigt", werde es gelingen, "Schritt für Schritt in eine bessere Zukunft zu kommen", sagte Hörmann.

Ausgangspunkt des Streits war die Aussage des Bundestrainers Erik Bouwman, dass er "null Bock" darauf habe, die 47 Jahre alte Pechstein im deutschen Team zu betreuen. Pechstein trainiert seitdem mit der polnischen Auswahl an. Wiederholt forderte sie eine Entschuldigung von Bouwman.

Konsequenz aus dem Knatsch: Beim Weltcup im polnischen Tomaszow Mazowiecki stand kein deutsches Team-Trio am Start. "Wenn er keinen Bock auf mich hat, habe ich natürlich auch keinen Bock auf ihn. Unter diesen Bedingungen werde ich definitiv nicht ins Team zurückkehren", stellte Pechstein klar. Sportdirektor Matthias Kulik kündigte Gespräche an, er könne verstehen, dass sich Pechstein "persönlich angegriffen" gefühlt habe, als man ihren Lebensgefährten Matthias Große aus dem Betreuerstab verbannt habe.

Pechstein sorgte am Sonntag als Sechste im Massenstartrennen für die beste Saisonplatzierung der Deutschen in diesem Winter. Zuvor hatte sie das 3000-Meter-Rennen der B-Gruppe gewonnen und den Sprung in die Top 12 beim Weltcup in zwei Wochen im kasachischen Nur-Sultan auf ihrer Spezialstrecke über 5000 Meter geschafft.

Top-10-Resultate konnten zwei Erfurter verbuchen: Patrick Beckert lief über 5000 Meter auf Platz zehn, Felix Maly kam auf Rang neun im Massenstartrennen. Enttäuschungen gab es für die Eissprinter: Nico Ihle und Joel Dufter verpassten über 500 Meter in der B-Gruppe auf den Plätzen sieben und zehn die Rückkehr in die A-Kategorie, und auch im Teamsprint sprang nur Rang zehn heraus.