Derenburg l Sie hat zwei Weltkriege erlebt, eine Monarchie, eine Republik, die Nazi-Diktatur, ein sozialistisches und ein Nachwende-Deutschland: Amanda Schneider aus Derenburg. Am Dienstag, 15. Januar, feierte sie in ihrer Heimatstadt ihren 105. Geburtstag. Und dazu haben sich in ihrem Häuschen einige Gratulanten angekündigt, darunter die Großnichte und der Großneffe, die sich beide liebevoll um die Jubilarin kümmern und ihr im Haushalt helfen – beim Wäschewaschen und Essenzubereiten. Allerdings ist Amanda Schneider geistig voll auf der Höhe und versucht nach wie vor, soviel wie möglich selbst zu erledigen.

„Ich bewege mich viel“, sagt die Jubilarin, die mehrmals am Tag die schmale Steige vom Erdgeschoss in die erste Etage und zurück bewältigen muss. „Aber das Treppensteigen hält mich fit“, sagte sie lachend. Und nicht nur das: Einmal pro Woche gehts mit ihrem Großneffen Ronald Künne zum Einkaufen. Ein Rollator gibt ihr beim Gehen zusätzliche Sicherheit. „Sie ist sehr diszipliniert. Auch wenn sie mal keine Lust hat, ist unsere Tante auf den Beinen“, ergänzt Großnichte Isolde Fiebig.

Arbeit als Geheimrezept

Dass Amanda Schneider mit 105 Jahren immer noch so agil ist, scheint nicht nur in den Genen verankert zu sein. „Ich habe immer und gern gearbeitet“, blickt sie auf ein vielfältiges Arbeitsleben zurück. Nachdem sie am 15. Januar 1914 in der alten Sägemühle an der Wernigeröder Straße in Derenburg zur Welt gekommen war, verlebte sie ihre Kindheit gemeinsam mit ihren Eltern und den drei älteren Geschwistern in der Holtemmestadt. Später verschlug es sie für einige Jahre nach Magdeburg, Naumburg und nach Lindau am Bodensee, wo sie in einem Geschäftshaushalt arbeitete.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog es sie aber wieder in die Heimat. In den Wirren dieser Tage gestaltete sich die Fahrt zurück als abenteuerlich. In Halle angekommen fehlte ihr beispielsweise das nötige Ticket, um auf den Bahnsteig zu kommen. Für drei Äpfel besorgte ihr eine Reisende die begehrte Fahrkarte.

In Derenburg arbeitete Amanda Schneider dann in einer Fleischerei, als Leiterin einer Wäscherei und sogar über das Rentenalter hinaus im „Schuh-HO“. Noch als Rentnerin trug sie außerdem die Zeitung im Ort aus und war als Versicherungsvertreterin unterwegs. Nebenbei kümmerte sie sich noch um ihren Garten.

Rauchen war einziges Laster

Und einem kleinen Laster hat sie bis vor wenigen Jahren noch gefrönt: Sie hat Zigaretten geraucht. „Man kann alles machen, aber immer in Maßen“, erklärt Amanda Schneider, die sich für ihren Ehrentag nur eines wünscht. „Hauptsache, ich bleibe gesund.“