Magdeburg l Es ist eine Szene, die Nils Butzen tagelang beschäftigt hat. Der Kapitän grätschte wenige Zentimeter am Freistoß des Kielers Alexander Mühling vorbei. Die Kugel schlug zum 1:1 im Tor ein, das weitere Übel nahm seinen Lauf.

Butzen immer noch ratlos

Da nach dem 1:2 an der Förde die Länderspielpause anstand, musste Butzen diese Szene jetzt lange zwei Wochen mit sich herumschleppen. Am Montag (20.30 Uhr) steht gegen Bielefeld endlich die nächste Partie auf dem Programm. „Ich kann mir immer noch nicht erklären, wie ich diesen Ball nicht treffen konnte. Es war mein Fehler, ganz klar. Wenn der Freistoß nicht drin gewesen wäre, hätten wir das Spiel gewonnen, da bin ich mir sicher“, sagt der 25-Jährige.

Die Freistoßszene schaute sich Butzen noch einige Male an, spulte vor und zurück. In den freien Tagen galt es jetzt, die Gedanken daran aus dem Trikot zu schütteln.

Kurztrip nach Venedig

Ein solcher Neustart ist allerdings gar nicht so einfach. Fußballer würden schließlich am liebsten alle zwei Tage spielen, um entweder gute Ergebnisse zu bestätigen oder schlechte Resultate schnell wieder aus den Köpfen zu bekommen.

Deshalb war es gerade für Butzen schwierig, mit dem Kiel-Spiel im Hinterkopf die richtige Balance zu finden. Am freien Wochenende suchte er deshalb ganz gezielt die Entfernung. Ein Kurztrip mit seiner Freundin nach Venedig stand auf dem Programm. Einfach mal abschalten, ganz weit weg von Kiel, Magdeburg und dem runden Ball.

Der Kapitän als Vorbild

In den Tagen nach seiner Rückkehr war er auch in seiner neuen Rolle als Kapitän gefordert. Butzen will vorangehen, ein Vorbild sein. In diesem Zusammenhang kommt er allerdings wieder nicht am Kiel-Spiel vorbei. Butzen gibt sich selbstkritisch: „Ich habe nach dem 1:1 die Schultern etwas hängen lassen und nach unten geguckt. Ich werde die Jungs in Zukunft aber nach einem solchen Gegentreffer bei allem Frust pushen, sie anfeuern.“

Die allgemeine Ansicht, dass der FCM bisher durchaus gut gespielt hat, ohne sich zu belohnen, will er nur noch bedingt akzeptieren. „Nach fünf Pflichtspielen brauchen wir nicht nur über Pech oder Schiedsrichterentscheidungen sprechen. Gegen Darmstadt im Pokal war es zum Beispiel unser eigenes Unvermögen, da wir das Tor nicht getroffen haben“, stellt der Spieler mit der Rückennummer 16 klar, der zuletzt auch mit seiner Leistung nicht zufrieden war.

Lockerheit gegen den Druck

Bei allem Druck, der weiter gestiegen ist, gehört zu einer gesunden Balance aber immer auch ein Schuss Lockerheit. Das sieht auch Butzen so: „Ich achte darauf, dass die Stimmung in der Kabine mit einem Spruch mal aufgelockert wird.“ Dabei geht er durchaus empathisch vor. „Ich versuche, von mir auf andere zu reflektieren. In den Ansprachen vor dem Spiel betone ich die positiven Dinge der vergangenen Wochen.“

Auch am Montag vor der Bielefeld-Partie wird der Kapitän wieder die Ansprache halten. Dann will Butzen endgültig mit den Erlebnissen aus Kiel abschließen.

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