Cottbus/Magdeburg l Dieser Montagabend im Stadion der Freundschaft zählt zweifellos zu den legendärsten Spielen von Claus-Dieter Wollitz als Trainer von Energie Cottbus. In der 2. Liga lagen die Lausitzer damals am 13. September 2010 bis zur 66. Minute mit 2:5 zurück, ehe die eingewechselten Jiayi Shao und Jules Reimerink sowie der heutige Freiburger Bundesliga-Torjäger Nils Petersen doch noch für den 5:5-Ausgleich sorgten.

Diese Partie liegt mittlerweile zwar knapp zehn Jahre zurück, sagt aber viel aus über die Fußball-Philosophie sowie die Stärken und Schwächen von Wollitz. Sein Name steht vor allem für Offensivpower. Der Coach legt großen Wert darauf, dass seine Mannschaften auch wirklich Fußball spielen und nicht nur kämpfen – wobei beides im Idealfall zusammenpasst.

Wollitz kann ein Spiel gut lesen

Zu den Stärken von Claus-Dieter Wollitz zählt auch, dass er ein Spiel sehr gut lesen und seinen Matchplan bei Bedarf anpassen kann. Beispiel Karlsruhe: Mit den Einwechslungen von Shao und Reimerink bewies Wollitz viel Feingefühl für die taktischen Gegebenheiten in dieser Partie. Mit diesen Einwechslungen und auch seinen Emotionen an der Seitenlinie coachte er das Team zurück ins Spiel.

Diese Emotionen sind Stärke und Schwäche zugleich. Hier die richtige Balance – übrigens ein Lieblingswort von Wollitz – zu finden, ist womöglich die größte Herausforderung in der Trainer-Karriere des 54-Jährigen. Einerseits steht sich Wollitz dabei bisweilen selbst im Weg. Andererseits wäre ein Trainer Wollitz ohne Emotionen kein richtiger Wollitz.

Ein echter Teamplayer

Bei seinen fußballtaktischen Entscheidungen behält sich der Cheftrainer logischerweise das letzte Wort vor und übernimmt dafür die Verantwortung. Allerdings legt er auch großen Wert auf einen funktionierenden Trainerstab. Deshalb wird viel auf Silvio Bankert und René Renno ankommen, mit dem Wollitz bereits in Cottbus zusammengearbeitet hat. Beim legendären Karlsruhe-Spiel saß übrigens Markus Feldhoff an seiner Seite. Feldhoff arbeitet inzwischen gemeinsam mit Alexander Nouri als „Co“ von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC.

Gemeinsam mit seinem Stab betreibt Wollitz eine akribische Vorbereitung auf den nächsten Kontrahenten. Bei Energie Cottbus legte er selbst im Landespokal großes Augenmerk auf die Gegner-Beobachtung. In der Regel wurden die unterklassigen Kontrahenten zweimal unter die Lupe genommen: einmal zu Hause und einmal auswärts. Unorthodox zu Werke gehende Mannschaften, wie es in der Regionalliga Nordost häufig vorgekommen ist, sind ein Graus für den Taktiktüftler. Er fühlt sich am wohlsten, wenn er seiner Mannschaft einen klaren Matchplan mit auf den Weg geben kann.

Entwicklung von jungen Spielern

Zu den Stärken von Wollitz zählt auch die Entwicklung von jungen Spielern. In Cottbus hat er neben Nils Petersen weitere heutige Bundesliga-Profis wie Leonardo Bittencourt und Streli Mamba geformt. Dass sich Wollitz nicht scheut, den jungen Spielern Verantwortung zu übertragen, zeigt auch das Erstrunden-Pokalspiel gegen Bayern München in dieser Saison. Ausgerechnet im Duell mit dem deutschen Rekordmeister beorderte er mit Tobias Eisenhuth und Colin Raak zwei Youngster auf die Doppelsechs im Mittelfeld. Eisenhuth war damals im September gerade einmal 17 Jahre, Raak nur wenige Monate älter. Vor allem für Eisenhuth bildete das Bayern-Spiel einen Meilenstein in seiner fußballerischen Entwicklung. Er schaffte den Sprung in die U-19-Nationalmannschaft des DFB.

Und Wollitz ist ein Fachmann für den Neuaufbau von Mannschaften. Bei Energie Cottbus stellte er diese strategischen Fähigkeiten sowohl 2009 nach dem Abstieg aus der Bundesliga sowie 2016 und 2019 nach dem Absturz in die 4. Liga unter Beweis. Dass er dabei als Trainer und Sportdirektor jeweils die sportliche Verantwortung allein schulterte, kommt seinem extrovertierten Naturell entgegen.

Über Frank Noack:

Frank Noack ist seit 1998 bei der Lausitzer Rundschau als Sportreporter tätig und berichtete über Energie Cottbus auch in der Bundesliga. Der 50-Jährige hat den neuen FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz in Cottbus in seinen zwei Amtszeiten (2009 bis 2011 und 2016 bis 2019) begleitet.

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