Chemnitz l Irgendwie passte es ins Bild, dass selbst der Chemnitzer Fahnenschwenker gestern krankheitsbedingt nicht im Stadion an der Gellertstraße dabei sein konnte. Zuvor hatten bereits zahlreiche Fanclubs aus Protest ihr Fernbleiben angekündigt. Beim Chemnitzer FC geht es aufgrund finanzieller Probleme und dem Rausschmiss von Ex-Kapitän Daniel Frahn momentan hoch her. Entsprechend leise war es im Stadion, Ostderby-Stimmung verbreiteten nur die rund 1600 mitgereisten FCM-Fans, die für eine Heimspiel-Atmosphäre sorgten.

Auch auf dem Rasen präsentierte sich der 1. FC Magdeburg beim 0:0 in Chemnitz zunächst eher wie ein dominanter Gastgeber. Das Team von Trainer Stefan Krämer hatte in der ersten Viertelstunde deutlich mehr Ballbesitz (73 Prozent), auch die Passgenauigkeit war überdurchschnittlich gut (84 Prozent). Der Coach setzte fast auf die gleiche Mannschaft, die zuletzt beim 0:1 im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg überzeugte. Nur Alexander Brunst kehrte für Morten Behrens ins Tor zurück.

Chemnitz stand sehr tief

Die ersten Gelegenheiten hatte Sören Bertram (5.) und Dominik Ernst (15.). Die Chemnitzer standen wie eine gefühlte Auswärtsmannschaft sehr tief und setzten auf Konter.

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Trotz aller Überlegenheit spielte sich der FCM im weiteren Verlauf der ersten Hälfte aber zu wenig Chancen heraus, trat zu uninspiriert auf. Es fehlte der klare Zug zum gegnerischen Tor, zu oft blieben die Magdeburger im Zentrum hängen oder spielten den letzten Pass zu ungenau. Von Minute zu Minute wurden die Chemnitzer mutiger – die beste Gelegenheit hatte Tarsis Bonga, den der Club nur schwer in den Griff bekam (33.).

Auch nach der Pause glich die Stimmung eher der eines Freundschaftsspiels, zu dem nur FCM-Fans zugelassen sind. Einen ganz bitteren Abend erlebte der Chemnitzer Philipp Sturm, der erst zur Halbzeit eingewechselt wurde, in der 54. Minute dann aber verletzungsbedingt wieder den Rasen verlassen musste.

Beck fordert seine Mannschaft

Ansonsten passierte auf dem Platz nicht viel – Christian Beck hatte per Kopf eine Halbchance (55.). Hinter dem Tor von Keeper Alexander Brunst machten sich unterdessen die Einwechselspieler warm, der Club brauchte offensichtlich einen Impuls, um das Spiel auch ergebnismäßig in seine Richtung zu bringen.

Das merkte auch Kapitän Christian Beck, der seine Mitspieler nach rund einer Stunde lautstark anfeuerte, sie zu mehr Aggressivität und Mut aufforderte.

Diese Anfeuerung war allerdings auch dringend notwendig: Der CFC hatte nämlich durch den eingewechselten und völlig freistehenden Davud Tuma die Riesenchance zur Führung, Brunst hielt sein Team aber mit einer Glanztat im Spiel (64.). Vier Minuten später war es erneut Brunst, der einen Kopfball von Bonga stark entschärfte, Timo Perthel klärte danach vor der Linie. Die Gäste hatten enorm viel Glück, nicht in Rückstand geraten zu sein.

Stefan Krämer hatte genug gesehen, brachte Rico Preißinger für Charles Elie Laprévotte (71.). Der FCM war in dieser Phase völlig von der Rolle. Chemnitz gewann die Zweikämpfe, war griffiger und jetzt auch in der Offensive präsenter.

Krämer versuchte noch mal, durch die Einwechslungen von Tarek Chahed für Manfred Osei Kwadwo und Marcel Costly für Mario Kvesic frischen Wind auf den Rasen zu bringen. Der Club wirkte aber auch in der Schlussphase wie blockiert, war in der Offensive kaum noch vorhanden.

Anders die Gastgeber: Nach einem Freistoß landete der Kopfball von Matti Langer auf der Latte (85.). Chemnitz hätte sich den Sieg verdient, scheiterte letztendlich aber an der eigenen Chancenverwertung.