Klietz l Sie alle wurden überrascht von einem ganz ungewöhnlichen, ambitionierten und abwechslungsreichen Adventskonzert. Es musizierte der Kirchenchor des evangelischen Kirchspiels Klietz und Scharlibbe, mehrfach musikalisch unterstützt von Pfarrer Hartwig Janus und Annemarie Thiemann.

Der junge Leiter des Kirchenchores, Daniel Volkmer, hatte sich in der Tat schon im Vorfeld alle Mühe gegeben. Es gab ein ausführliches Programmblatt – der Chor hat sogar ein eigenes schickes Logo – und viele bekannte und unbekannte Liedbeiträge. Es gab Chorlieder, Soli und Duette unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrades, und es gab Textbeiträge. Das ganze wurde aber nicht einfach aneinandergereiht, sondern sinnvoll verbunden, so dass ein stimmungsvoller Konzertabend entstand. Dazu bat der Kantor ausdrücklich, den Zwischenapplaus nach jedem Beitrag, der jedes Mal von Neuem die Stimmung zerreißt, zu unterlassen und einfach die Musik zu genießen. Das klappte denn auch.

Zusätzlich wurden die Musikbeiträge belebt durch einen überraschenden Griff in die Vorreformationszeit. Damals war es zu den besonders feierlichen Gottesdiensten üblich, den Chor unter Gesängen durch die Kirchen schreiten zu lassen. Diese uralte Tradition wurde nun vom Klietzer Kirchenchor aufgegriffen. So gab es eine echte Choreographie für den ganzen Kirchenraum – eine sehr schöne Idee.

Alte Sternsinger-Fassung

Ein weiterer Grundgedanke sorgte für die Einheit des Abends: Die Liedbeiträge wurden verbunden durch die Strophen des alten Sternsingerliedes „Es ist für uns eine Zeit angekommen“. Der Text mit der fröhlichen Melodie war in der Nazizeit umgedichtet worden. So wurde aus einer schlichten Erzählung der Weihnachtsgeschichte in einfachen Versen ein wie gewünscht religionsfreies Winterlied. In Klietz gab es die vielen Originalstrophen als Zwischenlesung, dann die Fassung der Sternsinger, sehr schön gestaltet mit dem Echo, als Musikvortrag.

Überhaupt war die Leistung des kleinen Chores – er besteht nur aus acht Frauenstimmen, ergänzt durch die Männerstimmen des Chorleiters und von Pfarrer Janus – ganz erstaunlich. Die gute Vorbereitung zeigte sich von Anfang an in bestens verständlicher Aussprache und präzisen Einsätzen. Zusätzlich steigerte sich im Lauf des Konzerts die Intonation: So gab es besonders schöne leise Stellen in der hohen Stimme, ganz zart und anrührend. Auch stark rhythmische Stücke wie das von Hartwig Janus auf der Trommel unterstützte spanische Volkslied „Weit der Weg, der nach Bethlehem geht“ wurden passend interpretiert.

Fürbitten um Frieden

Daniel Volkmer selbst steuerte einige schöne Solostücke bei, seine Mutter Marion und Annemarie Tiemann sorgten mit hübschen zweistimmigen Volksliedern weiter für Abwechslung. Annemarie Tiemann unterstützte auch an Orgel und Klavier. Die Orgel erklang auch in einer meditativen Improvisation Daniel Volkmers zu dem schönen Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“. Und immer wieder sorgte die Trompete von Pfarrer Janus zusätzlich für festliche Stimmung.

Ergänzt wurde das anspruchsvolle Programm durch musikalische Fürbitten um Frieden in der Welt.

Dem abschließenden Applaus folgte der verdiente Dank an alle Beteiligten. Und zum Schluss erfüllte ein von allen gemeinsam gesungenes „O du fröhliche“ das ganze Kirchenschiff.