Magdeburg (dpa) l Die Innenminister der Länder warnen vor der unterschätzten Gefahr durch Handynutzung und andere elektronische Ablenker im Straßenverkehr. Während der Fahrt das Mobiltelefon zu bedienen sei so gefährlich, wie "volltrunken mit mehr als einem Promille Alkohol zu fahren", sagte der amtierende Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Holger Stahlknecht (CDU), am Montag in Magdeburg. Auch die Gefahr, mit lauter Musik im Ohr durch die Stadt zu laufen oder zu radeln, werde permanent unterschätzt. Mit bundesweit einheitlich am 20. September organisierten Kontrollen und Sicherheitskampagnen wollen die Länder für das Thema sensibilisieren.

Egal ob Fußgänger, Rad- oder Motorradfahrer, hinter dem Steuer eines Autos oder eines Lastwagens – alle Menschen müssten sich am 20. September darauf einstellen, angehalten und kontrolliert zu werden, wie Mitorganisatorin Nadine Raabe-Goldermann sagte. Die Polizei werde Handyverstöße konsequent ahnden. Der Fokus liege aber darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen das Risiko bewusst zu machen.

Ablenkung als Unfallursache kaum erfasst

"Welche Rolle spielt Ablenkung bei Verkehrsunfällen? In Deutschland wissen wir es nicht, weil es nicht erfasst wird", sagte Heinz-Albrecht Stumpen von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Österreich hingegen erhebe diese Ursache seit Jahren und stelle einen rasanten Anstieg von Fällen fest, in denen die Ablenkung durch elektronische Geräte mitverantwortlich war.

Dort spiele sie bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle. Zugleich gaben bei einer Umfrage im deutschsprachigen Raum mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, das Mobiltelefon während der Fahrt verbotenerweise zu bedienen. "Eine Textnachricht zu schreiben, ist dabei das gefährlichste, was man machen kann", sagte Stumpen.

Sicherheit geht vor Handynachricht

Denn: Wer auf ein Display starrt, statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren, fahre im sogenannten Blindflug, sagte Innenminister Stahlknecht. Bei Tempo 50 bedeute jede Sekunde, dass man 14 Meter Fahrtweg nicht im Blick habe. Bei Tempo 130 seien es schon 36 Meter. "Wenn dann ein Dreijähriger auf die Straße rennt, ist der Schaden unermesslich groß." Keine Handynachricht sei so wichtig, dass sie dieses Risiko wert sei.

Neben den Kontrollen wollen die Bundesländer am Aktionstag auch Simulatoren oder Verkehrsparcours aufbauen, um die Wirkung von Ablenkung zu verdeutlichen. Auch Aktionen an Schulen seien geplant. "Wir wollen das Thema in die Köpfe und die öffentliche Diskussion bringen", sagte Stumpen. Dafür sei ein Tag eigentlich zu wenig, aber ein Anfang. Die Landesinnenminister hatten im Herbst 2017 beschlossen, jährlich einen solchen Aktionstag zu organisieren. Der 20. September ist der Auftakt.