Tokio l Japanische Autovermieter freuen sich, dass ihre Fahrzeuge besonders in Städten reißenden Absatz finden. Merkwürdiges Phänomen: Viele der Fahrzeuge werden von den Mietern nicht einen einzigen Millimeter bewegt. Eine Untersuchung, die jetzt in der Tageszeitung Asahi Shimbun veröffentlicht wurde, brachte erstaunliche Erkenntnisse.

Menschen wollen oft gar nicht Auto fahren. Sondern in Ruhe essen. Sie kaufen sich einen Imbiss am Kiosk, den sie im Auto verspeisen. Andere brauchen dringend Schlaf, können sich aber kein Hotel leisten. Manche lagern ihr Gepäck im Fahrzeug, wenn die Schließfächer am Bahnhof belegt sind. Außerdem dienen Mietwagen als: Telefonzelle (in Ruhe mit der Familie plaudern oder geschäftliche Gespräche führen), Umkleidekabine (insbesondere zu Halloween).

2011, als nach dem Tsunami das Stromnetz im Land kollabiert war, wurden die Autos sogar als Ladestation für Mobiltelefone benutzt.

Extrem beliebter Dauerbrenner: Motor läuft im Standgas, Heizung auf volle Pulle (Winter) beziehungsweise Klimaanlage auf maximal (Sommer).

All das stimmt die Vermieter auch ein bisschen traurig: Ihr eigentliches Geschäft machen sie nämlich mit gefahrenen Kilometern. Die liegen hier leider meist bei – null. Die halbe Stunde Standard-Rate (das Anmieten funktioniert problemlos über eine App) kostet für registrierte Kunden erschwingliche 400 Yen. Das sind gerade mal 3,28 Euro.

Ganz schön günstig, so ein Tokio Hotel.