Magdeburg l In diesem Jahr sorgte eine Nachricht aus der Medizin für viel Aufmerksamkeit. Ein chinesischer Genetiker und Stammzellforscher meldete die Geburt der ersten menschlichen Zwillinge (Lulu und Nana), die gentechnisch verändert sind. Der ethisch umstrittene Eingriff erfolgte im Rahmen einer künstlichen Befruchtung und soll die Kinder vor einer HIV-Infektion schützen. Ethiker, Philosophen und Theologen sprechen vom Überschreiten einer Tabugrenze. Auch die meisten Humangenetiker halten das Vorgehen des Mediziners für unverantwortlich, da die Folgen nach dem heutigen Kenntnisstand der Medizin unabsehbar sind.

Cytomegalie-Virus: Den diesjährigen Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten erhielt ein Forscherteam um die Biochemikerin Professor Helga Rübsamen-Schaeff von der Universität Frankfurt für die Entwicklung eines neuen Wirkstoffes gegen das weit verbreitete Cytomegalie-Virus. Der Wirkstoff macht Stammzelltransplantationen bei Patienten mit Krebs des blutbildenden Systems (z.B. Leukämien und Lymphome) sicherer.

DNA des Weizens: Ein weiterer Höhepunkt des Wissenschaftsjahres war die Entschlüsselung des Genoms von Brotweizen durch eine internationale Gruppe von mehr als 200 Wissenschaftlern. Brotweizen ist für mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung das Hauptnahrungsmittel. Die neuen Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Weizensorten erleichtern, die an den Klimawandel besser angepasst sind oder höhere Erträge erzielen.

Neue Einheiten: Das exakte Messen von Mengen, Entfernungen, der Zeit und anderer Dinge hat schon immer eine wichtige Rolle für die Menschen gespielt. In Versailles bei Paris beschlossen Experten aus 60 Staaten, ein neues Einheitensystem für die Masse, der Stromstärke, die chemische Stoffmenge und der Temperatur einzuführen. Somit werden demnächst alle physikalischen Einheiten über Naturkonstanten wie die Lichtgeschwindigkeit, die Ladung des Elektrons und das Plancksche Wirkungsquantum bestimmt. Die Änderungen werden am 20. Mai 2019, dem Weltmetrologietag, in Kraft treten. Sie sind vorrangig für die Wissenschaften und die Wirtschaft von Bedeutung. Beim Einkaufen im Supermarkt, etwa beim Abwiegen von Tomaten, ändert sich nichts.

Wundheilung: Wenn wir Menschen uns verletzen, versucht der Körper durch Wundheilung die verletzte Haut zu regenerieren. Nach diesem Vorbild haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung bei Potsdam eine umweltverträgliche Kunststoffschicht entwickelt, die vor Korrosion schützt, indem sie Kratzer und Abschürfungen von selbst verschließt. Die auf atomarer Ebene maßgefertigte Kunststoffschichten könnten zukünftig als Korrosionsschutz bei Straßenfahrzeugen und außerdem bei Schiffen zum Einsatz kommen.

Hartes Fensterglas: Am DESY-Forschungszentrum in Hamburg hat ein Team um den Physiker Norimasa Nishiyama ein durchsichtiges Werkstück aus Siliziumnitrid hergestellt. Siliziumnitrid ist eine Keramik, die unter hohem Druck entsteht. Es ist nicht ganz so hart wie Diamant kann aber wesentlich höheren Temperaturen standhalten. Durchsichtige Werkstück aus Siliziumnitrid könnten zukünftig als superharte Fenster in Motoren eingesetzt werden.

Bequemer Fliegen: Mehr Komfort beim Fliegen wird ein neuer, klimatisierter Flugzeugsitz sorgen, den Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut IBP auf der Internationalen Luftfahrtmesse ILA in Berlin vorstellten. Der neue Sitz kombiniert die Sitzbelüftung durch Ventilatoren mit einer Wärmeregelung durch Sitzheizung. Das führt zu einer optimalen Temperierung der Sitzoberfläche und der Luftfeuchte. Zunächst sollen Reisende in der Business-Klasse in den neuen Sitzgenuss kommen.

Solarthermie: Kochen mit einem Parabolspiegel und Sonnenlicht ist klimafreundlich. Der Solarkocher, der etwa 60 Kilometer westlich von Köln steht, kann jedoch mehr als Wasser und Essen erwärmen. Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt haben mit dem „Solarkochtopf“ einen neuen Temperaturrekord von 965 Grad Celsius für Solarthermie erzielt. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist, damit kostengünstigen Öko-Strom im sonnenverwöhnten Mittelmeerraum zu erzeugen.

Wasser auf dem Mars: Von der Erde in die Tiefen des Weltraums. Mit Hilfe eines Radars an Bord der europäischen Marssonde MarsExpress hat ein italienisches Team um den Astronom Andrea Cicchettii am Rand der südpolaren Mars-Eiskappe, in rund 1,5 Kilometer Tiefe, Hinweise auf flüssiges Wasser gefunden. Wegen des hohen Laugenanteils gefriert es auch bei Temperaturen um minus 60 Grad Celsius nicht. Für den Menschen ist das Marswasser zwar ungenießbar, aber einige Extremisten unter den Mikroorganismen können darin leben.

Korallenfisch: Trotz Artenschwundes auf der Erde gibt es auch für Biologen noch etwas zu entdecken. Dazu zählt ein kleiner Riffbewohner, der etwa 940 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Küste in rund 120 Meter Tiefe lebt. Die Art namens Tosanoides aphrodite hat der Marinebiologe Luiz Rocha von der kalifornischen Akademie der Wissenschaften nun erstmals beschrieben. Die Fischmännchen sind rosa-gelb-gestreift, die Weibchen haben die Farbe einer Blutorange. Im Dämmerlicht, dass in rund 120 Wassertiefe herrscht, machen die rötlichen Farben die kleinen Riffbewohner nahezu unsichtbar für Raubfische.

Supernova: Seit Jahren schon suchen Astronomen nach den am weitesten entfernten Sternexplosionen, den sogenannten Supernova. Den aktuellen Rekord hält seit diesem Jahr ein Objekt mit der Katalognummer DES16C2nm. Diese Supernova fand vor 10,5 Milliarden Jahren statt, lange vor der Entstehung der Sonne und nur drei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Der Stern war wahrscheinlich viel massereicher und jünger als die Sonne bevor er explodierte. Dabei gelangten die im Stern erzeugten schweren Elemente ins All, aus denen Planten wie die Erde und alle Lebewesen bestehen.

Fossilien: Seit langem ausgestorben sind Tiere, die vor mehr als 545 Millionen Jahren Fußspuren im Schlamm hinterließen. Entdeckt wurden die Fußtritte von einem Team um den Paläontologen Zhe Chen vom Institute of Geology and Palaeontology in Nanjing in der Nähe des Yangtze-Staudamms im Süden Chinas. Die Forscher vermuten, dass sie von Tieren stammten, die bereits vor der sogenannten kambrischen Evolution, das heißt vor rund 500 Millionen Jahre, lebten. Damals entstanden die Vorfahren nahezu aller heute lebenden Arten. Ältere Fossilienfunde sind seltener als ein Sechser im Lotto.

Glücksatlas: Zum Schluss noch eine gute Nachricht aus der Fülle der Forschungsberichte und Studienergebnisse des alten Jahres. In einer von Ökonomen und Finanzwissenschaftlern im Auftrag der Deutschen Post durchgeführten, repräsentative Studie zeigte sich, dass die meisten Deutschen mit dem eigenen Leben, ihren Wünschen, Zielen und Erwartungen zufrieden waren. Im „Glücksatlas 2018“ heißt es, dass „die Bundesbürger Bedrohungen wie Terrorismus oder gesellschaftliche Entwicklungen wie Zuwanderung nicht als Bremse für ihre Lebenszufriedenheit begreifen.“