Tangermünde l Auf diesen Tag haben sie lange gewartet. Für Christian und Armin Schulz (Sohn und Vater) ging gestern ein Traum in Erfüllung, für den sie im wahrsten Sinne des Wortes gekämpft hatten wie die Löwen.

„Schon als wir die Museums-Scheune Anfang des Jahrtausends eröffnet hatten, war der Wunsch da, auf diesem Hof, dem Neumannschen Hof, auch wieder Bier zu brauen“, erinnert sich Christian Schulz zurück. Dass es nun genau 100 Jahre nach Schließung einer der letzten Tangermünder Privatbrauereien so weit ist, gehörte nicht zum Plan. Denn gern hätten Vater und Sohn die Vision vom eigenen Bier schon viel eher verwirklicht gesehen.

Vor fünf Jahren hatten sie mit den Umbauarbeiten begonnen. Als Betreiber der Museumsscheune und des Hotels „Alte Brauerei“ auf dem Areal der früheren Brauerei der Familie Neumann war der Startschuss zu diesem ehrgeizigen Projekt gefallen.

Klein und fein sollte es werden. „ Zu dieser Zeit wollten wir im Gästebereich die Brauanlage und im Kellerbereich die Gär- und Lagertanks unterbringen“, erinnert sich der 33-Jährige Wahl-Tangermünder. Doch schon ein Jahr später wurden diese Pläne über Bord geworfen. Als Saal und Gewölbebar genutzt wurden, stellten Vater und Sohn schnell fest, dass der Platz für das Brauen dort eigentlich nicht gegeben ist. Die Nachfrage nach dem Saal entwickelte sich besser als gedacht. Deshalb wurde ein neues Konzept gestrickt. „Die komplexe Technik hätte zwar optisch was hergemacht“, gibt Christian Schulz zu verstehen. Doch sie hätte wichtigen Platz genommen. Die Folge dieser Umorientierung blieb dem Duo, das einst in dem altmärkischen Dorf Gladigau lebte, nicht verborgen: „Uns war und ist bewusst, dass viele Tangermünder glaubten, wir hätten uns verkalkuliert, verplant, verhoben. Denn die damals angekündigte Gasthausbrauerei wurde nie Realität.“ Umso stolzer ist das Gespann, fast vier Jahre später allen negativen Rufen zum Trotz seine kühne Planung realisiert zu haben.

Die bereits im Frühjahr 2014 angeschaffte Brautechnik hat ihren endgültigen Platz auf 300 Quadratmetern in einem anderen Teil der großen Scheune auf dem Neumannschen Hof bekommen. Mit der professionellen Unterstützung des Brauers und Mälzers Christian Königs aus Gommern geht es an den Start. „Anfangs werden wir drei Bierstile produzieren und uns dann nach und nach mit weiteren Bierkreationen geschmacklich behutsam vortasten“, verrät der 33-jährige Hotelier, Museumsleiter und nun auch Brauerei-Chef den Plan. Und er weiß inzwischen: „Bier braucht Leidenschaft.“ Die lege er an den Tag. Deshalb ist sich Christian Königs sicher: „Das hier wird was.“

Seit Anfang der 90er Jahre in diesem Geschäft tätig, hat er viele Privatbrauereien mit aufgebaut, ist selbst Betreiber einer solchen. In der Kaiserstadt können mit dieser Anlage 300 000 bis 500 000 Liter pro Jahr produziert werden.

Naturtrübe Spezialität

Anders als das Bier aus dem Handel wird dieses naturtrüb sein. „Damit ist es auf keinen Fall schlecht, weil es viele noch aus DDR-Zeiten so kennen“, erklärt Christian Königs. „Dieses Bier ist naturbelassen, also nicht filtriert und nicht wärmebehandelt.“ Damit ist es jedoch auch nur für etwa vier Wochen haltbar. „Schulzens Hofbräu“ wird es in 2-Liter-Brauhaus-Flaschen (mit dem einmaligen Namen „dicke Dörte“) sowie in Fässern geben. Die Brauerei ist so gebaut, dass sie besichtigt werden kann, dass eigene Hotelgäste, aber auch Tangermünder hier Bier beziehen können. Ab 2018 wird es Führungen, Verkostungen und sogar Braukurse im Gär- und Lagerkeller geben.

Nicht nur fachliche, auch mentale Rückendeckung haben die Schulzens von dem Brauer an ihrer Seite erhalten. Der 41-jährige Fachmann sagt: „Diese Art des Brauens - also die Rückbesinnung auf die naturbelassene Bierherstellung - erlebt gegenwärtig weltweit einen großen Aufschwung.“ Mikro- oder Craftbeer-Brauereien mit cleveren Marketingkonzepten und Produktvielfalt überzeugen.

Mit der gestrigen Eröffnung setzen Christian und Armin Schulz auf eine geschlossene Außenwirkung. Ab sofort heißt die „Alte Brauerei“ „Schulzens Hotel“ , das Bier „Schulzens Hofbräu“. „Wir wollen allem ein einheitliches Gesicht geben und zugleich ein Alleinstellungsmerkmal haben“, begründet der 33-Jährige die Namensänderung.

Als IHK-zertifizierter Bierbotschafter versteht er inzwischen auch ein klein wenig vom Brauerei-Handwerk. Doch das Brauen von „Schulzens Hofbräu“ wird neben Königs künftig ein weiterer Fachmann übernehmen.