Berlin (dpa) l Das geplante staatliche „Tierwohllabel“ für Fleisch und Wurst im Supermarkt soll nach Plänen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) drei Stufen bekommen. Dabei soll die Eingangsstufe „eindeutig über dem gesetzlichen Standard“ liegen, wie das Ministerium in Berlin mitteilte. „Unsere Kennzeichnung wird klar, wahr und verlässlich sein“, sagte die Ressortchefin. „Wir werden das Label so attraktiv machen, dass viele Landwirte mitmachen und sich dadurch die Haltungsbedingungen der Nutztiere spürbar verbessern.“ Welche Auflagen die Bauern bei der Tierhaltung im Einzlenen für die verschiedenen Einstufungen einhalten müssen, wurde zunächst noch nicht mitgeteilt.

Mit den Eckpunkten kündigt Klöckner einige Änderungen am bisherigen Konzept an. Ihr Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte Kriterien für das Label erarbeitet, es bis zur Bundestagswahl aber nicht umgesetzt. Seine Pläne hatten zwei Stufen des Labels vorgesehen – eine Eingangs- und eine Premiumstufe. Klöckner will außerdem auf die bisher auf dem Logo angedachte schwarz-rot-goldene Flagge verzichten. Dies könne von Verbrauchern fälschlich als Angabe zur Herkunft verstanden werden. Sie zeigte sich zudem offen dafür, dass die Label-Stufen nicht wie geplant mit Sternen, sondern mit Ziffern angegeben werden könnten.

Staatliche Förderung für Stall-Umbauten

Klöckner stellte die Eckpunkte nach einem Gespräch mit Vertretern von Tierhaltern, Verbraucherzentralen, Tierschützern und Handel vor. Ziel sei eine breite Beteiligung in Supermärkten und Gastronomie. Für Landwirte soll die Teilnahme freiwillig sein, die Kriterien müssten dann aber verbindlich eingehalten werden. Mitgenommen werden sollten insbesondere Bauern, die bei der seit 2015 bestehenden privaten „Initiative Tierwohl“ mitmachen. Dabei erhalten Landwirte für Zusatzleistungen Geld aus einem Fonds, in den Supermarkt-Ketten einzahlen. Geplant ist eine staatliche Förderung für Stall-Umbauten und eine Werbekampagne.

Klöckner strebt an, dass das „Tierwohllabel“ bis 2020/2021 in die Supermärkte kommt. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bis zum kommenden Jahr ein Konzept dafür zu schaffen. Im Handel sind bereits einige Kennzeichnungen gestartet worden, auch der Bauernverband hat eigene Vorschläge gemacht.

Verlässliche Orientierung

Die Ministerin sagte, mit dem staatlichen Label solle Verbrauchern eine verlässliche Orientierung gegeben werden, wie viel Tierwohl in Produkten stecke. „Ohne diejenigen zu diskriminieren, die sich zwar gesetzeskonform verhalten, aber lediglich die vorgeschriebenen Mindeststandards bei der Tierhaltung einhalten.“ Über das nationale „und damit automatisch freiwillige“ Label hinaus wolle sie sich auf EU-Ebene für eine umfassende Haltungskennzeichnung einsetzen, sagte Klöckner. Dies benötige aber eine längere Abstimmungszeit.

Kritik kam von den Grünen: „Ein weiteres freiwilliges Label bringt uns nicht weiter. Die Bauernverbände, die Verbraucherinnen und Verbraucher und der Handel wollen eine klare, verpflichtende Kennzeichnung“, sagte deren Agrarexperte Friedrich Ostendorff. „Doch die Ministerin sträubt sich und sorgt mit ihrem freiwilligen Label für mehr Wirrwarr im Supermarktregal.“ Er forderte: „Wir müssen die Tierhaltung grundsätzlich umgestalten und nicht an Symptomen rumdoktern.“

Der Handel hat bereits eine eigene Tierwohl-Initiative im April gestartet. Der Lebensmitteldiscounter Netto führt ab Mai ein „Haltungszeugnis“ für alle Fleischprodukte ein.