Frankfurt/Main (dpa) - Internet und Digitalisierung haben nach
Einschätzung der Versicherungsbranche zu neuen Betrugsformen geführt.
Als ein Beispiel nannte der Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag
Bildbearbeitungsprogramme, mit denen Betrüger digitale Fotos
manipulieren oder Bilder aus dem Internet nutzen könnten.

Diese würden dann als visueller Schadennachweis vorgelegt. In Internetforen würden zudem Tipps verbreitet, wie eine Schadenmeldung so glaubhaft formuliert werde, dass der vermeintliche Schaden von einer Versicherung bezahlt werde.

Software und Schulungen

"Die Betrugsabwehr der Versicherer hat darauf reagiert, beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Software zur Erkennung
von Betrugsindizien oder den Einsatz speziell geschulter
Mitarbeiter", sagte Rüdiger Hackhausen, Vorsitzende der
GDV-Kommission Kriminalitätsbekämpfung laut Mitteilung.

Die Branche befürchtet aktuell, dass die wirtschaftlichen Folgen der
Corona-Pandemie zu mehr Betrugsversuchen führen könnten. Sowohl im
privaten als auch im gewerblichen Bereich deute sich diese Entwicklung an. Als Beispiele nannte Hackhausen angebliche Einbrüche,
bei denen Saisonware wie etwa Sommerbekleidung als gestohlen
angegeben worden sei, die offenbar nicht habe verkauft werden können.

Schäden in Milliardenhöhe

Branchenschätzungen zufolge entsteht den Assekuranzen in der Schaden-
und Unfallversicherung im Jahr ein Schaden von rund fünf Milliarden
Euro durch Versicherungsbetrug.

Bei einer Umfrage im Auftrag des GDV gaben 10 Prozent der gut 1000
Befragten an, schon einmal einen Versicherungsbetrug begangen zu
haben (6 Prozent) oder konkret von einem Fall zu wissen (4 Prozent).
Nur jeder zehnte Befragte meinte, dass es sich dabei um ein
Kavaliersdelikt handelt und 13 Prozent haben demnach Verständnis
dafür, wenn Geld bei einer Versicherung erschlichen wird.

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