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Werke von Picasso, Chagall und Liebermann lagen jahrzehntelang in einer Wohnung 1500 von Nazis geraubte Gemälde entdeckt

In seiner Wohnung soll ein Münchner über Jahrzehnte schier unbezahlbare
Nazi-Raubkunstschätze aufbewahrt haben - darunter Gemälde von Picasso,
Matisse, Beckmann und Nolde.

04.11.2013, 01:18

In seiner Wohnung soll ein Münchner über Jahrzehnte schier unbezahlbare Nazi-Raubkunstschätze aufbewahrt haben - darunter Gemälde von Picasso, Matisse, Beckmann und Nolde.

München (dpa) l Zollfahnder haben einem "Focus"-Bericht zufolge in der Wohnung eines 80-jährigen Münchners etwa 1500 bisher verschollene Gemälde von Meistern der klassischen Moderne entdeckt und beschlagnahmt - darunter Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann und Max Liebermann.

Gemälde in verdunkelten und vermüllten Zimmern

Wie das Nachrichtenmagazin schreibt, sollen die Nationalsozialisten die Werke von jüdischen Sammlern geraubt oder als "entartete" Kunst konfisziert haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag weder bestätigen noch dementieren.

Dem "Focus" zufolge schlugen die Fahnder bereits im Frühjahr 2011 in der Wohnung des Mannes zu. Wenige Monate zuvor sei dieser dem Zoll bei einer Bargeldkontrolle während einer Zugfahrt von der Schweiz nach München aufgefallen. Die beschlagnahmten Gemälde sollen sich nun in einem Sicherheitstrakt des bayerischen Zolls in Garching bei München befinden. Eine Berliner Kunsthistorikerin versuche, die Herkunft und den Wert der Werke zu ermitteln. Das Magazin spricht von rund einer Milliarde Euro.

Laut "Focus" hatte der Vater des 80-Jährigen, ein Kunsthändler, die Gemälde in den 30er und 40er Jahren aufgekauft. Seit mehr als 50 Jahren soll sie der Sohn in seinem Schwabinger Appartement gehortet haben - in verdunkelten, vermüllten Zimmern mit selbstgeschreinerten Regalen. Im Laufe der Jahre habe er einzelne Bilder verkauft und von dem Erlös gelebt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung

Dem Bericht nach ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Als die Fahnder die Wohnung in einer mehrtägigen Aktion leerräumten und die Bilder abtransportierten, habe der Mann keinen Widerstand geleistet.

Eines der beschlagnahmten Matisse-Gemälde soll dem jüdischen Kunstsammler Paul Rosenberg gehört haben, dem Großvater der französischen Journalistin Anne Sinclair. Sinclair, die seit Jahren um die Rückgabe der von den Nationalsozialisten gestohlenen Gemälde kämpft, hat laut "Focus" bisher von dem Matisse-Bild nichts gewusst.