Heute startet "Killing them softly" in den Kinos: Gangsterfilm und Gesellschaftskritik Abrechnung mit dem amerikanischen Traum
In "Killing Them Softly" gibt Brad Pitt mal wieder den eiskalten Profikiller. Doch der Film von Andrew Dominik ist nicht nur ein finsterer Gangsterthriller, sondern vor allem eine Abrechnung mit dem amerikanischen Traum.
Hamburg (dpa) l Eiskalt und cool, so lieben die Fans Brad Pitt, das einstige Teenie-Idol. Längst hat der 48-Jährige bewiesen, dass er sich vor allem auf gnadenlose Coolness versteht - und das richtige Händchen für Filme mit Kult-Potenzial hat. Das gilt auch für "Killing Them Softly", einer Mischung aus Gangsterfilm und Gesellschaftskritik.
Es ist der Schlusssatz aus dem Munde von Brad Pitt, der für den ganzen Film steht: "Amerika ist kein Land. Es ist nur ein Business. Und das Business ist Verbrechen." Die Worte brechen aus dem Auftragskiller Jackie Cogan (Pitt) heraus, als er sein Honorar einfordert, sein Auftraggeber ihm aber verklickert, dass die Zeiten schlecht sind und die Bezahlung deswegen geringer ausfallen muss.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten regieren nicht mehr Chancengleichheit und Fairness, sondern knallharter Wirtschaftsdarwinismus, in dem sich jeder selbst der Nächste ist. Nicht minder programmatisch beginnt der düstere Gangsterfilm mit Quentin-Tarantino-Anmutung: Aus dem Off preist Barack Obama die Tugenden des amerikanischen Unternehmertums, im Bild stapft ein abgerissener Typ durch eine trostlose, dreckige Vorstadt.
Der amerikanische Traum ist ausgeträumt im 21. Jahrhundert, trichtert Regisseur Andrew Dominik dem Publikum immer wieder ein. Und das sehr geschickt.
Radio- und Fernsehsequenzen, in denen Obama und John McCain im Wahlkampf 2008 um die Wählerstimme buhlen und die von den gezeigten Szenen immer wieder konterkariert werden, durchziehen den kompletten Film. Doch bei aller bitterbösen Systemkritik ist "Killing Them Softly" auch ein Gangsterfilm, in dem zwar wenig Blut fließt, wenn, dann aber ordentlich und in Zeitlupe.
Die Geschichte nach dem Roman "Cogan\'s Trade" von George V. Higgings handelt dann auch vom klassischen Mafia-Geschäft: Zwei unterbelichtete und heruntergekommene Gelegenheitsgangster Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) überfallen im Auftrag eines Kleinmafiosi ein illegales Pokerspiel, das vom Mob kontrolliert wird.
Der Clou: Der Verdacht wird nie auf die drei fallen, weil alle Welt glauben wird, dass Markie (Ray Liotta) dahintersteckt. Der gehört zum Syndikat und hat vor Jahren selbst mal sein eigenes Kartenspiel überfallen lassen.
Der Coup gelingt zwar, doch irgendwie gerät das komplette Syndikat aus den Fugen und Cogan soll es richten. Es kommen andere Vollstrecker, einstige Profikiller und viele Drogen ins Spiel. Irgendwann ist der Geschichte kaum noch zu folgen, wer mit wem in wessen Auftrag agiert.
Zerschossen wie so manche Inneneinrichtung wirkt der Plot - und da kommt dann wieder die Finanzkrise mit all ihren Folgen ins Spiel, in der auch keiner mehr weiß, was wann und durch wen eigentlich den Anfang nahm.
Diese geniale Vermischung hat ihren Reiz, auch wenn sie mitunter ein wenig gewollt scheint. Erschwerend kommt in der deutschen Fassung die Synchronisation der Worte von Barack Obama, John McCain und Georges Bush hinzu. Das jedoch machen die großartigen Schauspieler wett.