Cellist Sadao Harada gibt mit Musikern der Magdeburgischen Philharmonie ein Konzert "Auf die Leidenschaft kommt es an"
Sadao Harada ist am 10. Juni zu Gast im Magdeburger Gesellschaftshaus und gibt mit Musikern der Magdeburgischen Philharmonie ein Kammerkonzert. Manuela Bock sprach vor der ersten gemeinsamen Probe in Magdeburg mit dem weltberühmten Cellisten.
Volksstimme: Sie reisen um die ganze Welt, sind vielbeschäftigt. Warum haben Sie spontan die Einladung nach Magdeburg angenommen?
Sadao Harada: Maiko Shoji-Vogler ist hier bei Ihnen Cellistin. Sie war einst meine Schülerin. Eine meiner besten. So etwas vergesse ich nicht so schnell. Sie hat gesagt, dass es immer ihr Traum gewesen wäre, dass ich mit ihr zusammen spiele. Die offizielle Einladung kam schließlich von Yoichi Yamashita. Es hat jetzt einfach alles gut zusammengepasst. Ich bin das erste Mal bei Ihnen in Magdeburg und kann unter anderem erleben, wie hier musiziert wird. Für mich ist es wie ein neuer Frühling, wenn ich mit verschiedenen Menschen zusammen spiele. Das bringt immer frischen Wind um mich und macht mich neugierig.
Volksstimme: Halten Sie zu allen Ihren Schülern so einen engen Kontakt?
Harada: Zu einigen schon. Ich habe nächstes Jahr Konzerte in Tokio mit acht Cellisten - alles Studenten.
Volksstimme: Warum ist Ihnen ein enger Kontakt mit den Studenten wichtig?
"Ich bekomme das Gefühl für die Gesellschaft, für das Neue, das in ihr wohnt."
Harada: Ich glaube, es ist die Energie, die in den jungen Menschen steckt und mich fasziniert. Es macht manchmal viel mehr Spaß, mutig etwas auszuprobieren, als eingefahren die Routine zu bedienen. Das gilt für die Musik genauso wie für den Rest des Lebens. In jeder Generation steckt etwas anderes. Ich suche den Kontakt und bekomme viel Informationen und das Gefühl für die Gesellschaft, für das Neue, das in ihr wohnt. Das ist spannend.
Volksstimme: Sie sind Solist, Kammermusikpartner und Pädagoge. Was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Harada: Ich denke, am meisten ist es doch die Kammermusik, die mir am Herzen liegt. Sie ist für mich einfach die beste Form der Kommunikation. Diese Musik zu machen hilft mir, in jede Richtung Kontakt aufzunehmen. Auch mit dem Publikum. Es ist eine schöne Form, gemeinsam etwas Großes zu teilen und das Gefühl, das der Musik innewohnt, zu erleben.
"Man steht nicht allein. Das ist anstrengend, aber auch schön"
Volksstimme: Sie führten das "Tokyo String Quartet" an die Weltspitze. Wie erarbeitet man sich Attribute wie weltberühmt?
Harada: Es steckt harte Arbeit dahinter. Natürlich ist es anfangs ein großer Wettbewerb. Man muss sich zusammenfinden. Das ist wichtig. Bei einem Quartett hat jeder Anteil am Erfolg. Man steht nicht allein. Das ist anstrengend, aber auch schön. Es ist etwas Gemeinsames. Wenn man bereit ist, Arbeit, aber auch Erfolg zu teilen, dann kann etwas Bedeutendes dabei herauskommen. Und es kommt auf die Leidenschaft an. Wenn du keine Leidenschaft hast, kannst du nicht im "String Quartet" mitspielen. Und alles andere sollte man ohne Leidenschaft am besten auch bleiben lassen.
Volksstimme: Das "Tokyo String Quartet" ist bekannt für technische Brillanz und nuancierte Dynamik. Wie viel Übungsstunden stecken dahinter?
Harada: Wie gesagt, es ist harte Arbeit, die uns so weit gebracht hat. Ich hatte glücklicherweise drei Menschen an meiner Seite, die, wie ich, Achtung vor der Arbeit der anderen hatten. Wir haben stets viel Wert auf die Technik gelegt. Es war uns immer wichtig, sehr gut zu spielen.
Volksstimme: Sind Sie selbst auch jemand, der stets hart für den Erfolg arbeitet oder schöpfen Sie aus einem großen Talent-Fundus?
Harada: Ich kann schon faul sein. Sicher gehört Talent dazu, aber wenn mir etwas wichtig ist, tue ich auch viel dafür, damit alles perfekt wird.
"Vor allem das viele, viele Üben gehört zu meinem Leben"
Volksstimme: Wie weit geht das? Sie schlagen morgens die Augen auf und fangen an, Musik zu machen?
Harada: Ja, manchmal mache ich in der Tat genau das. Konzerte zu spielen, das ist das eine. Aber vor allem das viele, viele Üben gehört zu meinem Leben.
Volksstimme: Was werden wir in Magdeburg hören und sehen?
Harada: Sie werden von Brahms das Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36 und von Schubert das Streichquintett C-Dur D 956 erleben. Wir möchten möglichst viele Kollegen mitspielen lassen. Das ist gerade bei Brahms gut möglich.
Volksstimme: Wie schwer wird die Zusammenarbeit mit fremden Musikern in Magdeburg?
Harada: Ich habe noch keine Ahnung. Wir haben noch nicht gemeinsam geübt. Ich denke, es kann viel Spaß machen. Musik ist schließlich eine gute Form der Verständigung. Wir müssen schauen, wie jeder Einzelne spielt und wie er sich dabei fühlt. Es ist nicht leicht. Aber genau auf dieses Heranarbeiten und gemeinsame Spielen kommt es bei so einer Zusammenarbeit an.
Volksstimme: Ihr Terminkalender ist voll. Wie viele Proben werden Sie in Magdeburg realisieren können?
Harada: Wir proben heute und dann noch einmal kurz vor dem Konzert.
Volksstimme: Reicht Ihnen das aus?
Harada: Ehrlich gesagt? Nein. Am besten wäre es, wenn wir ganz viel zusammen üben. Aber ich habe das Gefühl, dass sich hier alles gut zusammenfügen wird. Jeder muss dann einfach auch noch allein üben.
Kammerkonzert extra: 10. Juni, 11 Uhr Gartensaal/Gesellschaftshaus Magdeburg