Magdeburg l Frank Bernhardt ist voll des Glückes. Auch des Stolzes, gibt er zu. Diese hohe Ehrung des Bundes! „Wir sind so happy“, sagt der Mann, der seit so vielen Jahren die künstlerische Leitung des städtischen Puppentheaters Magdeburg innehat und dem Haus mit seiner großen Neugier auf Puppen- und Figurentheater so viele neue, immer wieder innovative Impulse gegeben hat.

Jetzt also die Ehrung mit dem Theaterpreis des Bundes. 119 Bewerbungen hatte es gegeben, eine Fachjury entschied sich für elf Häuser aus dem gesamten Bundesgebiet. Bewertet wurde die Spielzeit 2017/2018, ein Jahr, in dem das Puppentheater seinen kleinen und großen Besuchern nicht nur eine normale Spielzeit mit sechs Premieren bot, sondern zum zwölften Mal auch sein Internationales Figurentheaterfestival stemmte. 27 Theater aus elf Ländern waren damals nach Magdeburg gekommen, zur Eröffnungsnacht tummelten sich abenteuerlich aussehende Narren auf dem Wasser des Salbker Sees. 3500 Besucher werden sich daran noch gut erinnern. Das Theaterhaus erkundete damit zum wiederholten Mal die Stadtlandschaft.

Es ist auch dieses in Deutschland und Europa längst etablierte Theaterfestival, das die Jury als „internationalen Branchentreff“ in seiner Begründung würdigte. An erster Stelle wird im Statement aber das Zeitgenössische, das Gegenwartsbezogene und die große ästhetische Vielfalt aus Material-, Objekt- und Puppentheater herausgehoben. Für die Bewertung ging der Blick der Fachjury über die Inszenierungen hinaus. Sie würdigt die konsequente Förderung von Nachwuchsregisseuren, die Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Berlin und Stuttgart, die Figurenspielsammlung, das Forschungs-Projekt „Aufbruch“.

Mehrjähriges Projekt

Dass die Jury auch dieses mehrjährige Projekt um die Zukunft der noch existierenden Puppentheater Ostdeutschlands bedachte, freut Bernhardt besonders. Er weiß, wie kraftraubend das Projekt war, das den künstlerischen Austausch, einen kulturpolitischen Diskurs der Ensembles ermöglichte. „Das war Engagement weit über unsere Theaterarbeit hinaus. Damit spiegelt die Begründung der Jury viel mehr als nur eine Spielzeit“, sagt der Theatermann.

Mit dem Preis, so unterstreicht Bernhardt, würde die Arbeit des gesamtes Teams gewürdigt. Das Haus fühle sich in seinem eingeschlagenen Weg bestätigt. Bernhardt wie auch Intendant Michael Kempchen sich ewige Hinterfrager der eigenen (langjährigen, erfolgreichen) Arbeit.

Da passt es bestens, wenn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) von „Ermutigungspreis“ spricht. Das dürfte er auch für die Oper Halle sein. Die dortige Arbeit ging monatelang unter in Beschuldigungen und erbitterten Machtkämpfen. Jetzt das Lob der Jury: „Die Oper Halle hat unter der Intendanz von Florian Lutz mit ihrem neuen ästhetischen Programm überregionale Strahlkraft gewonnen.“ Hervorgehoben wird das experimentelle Musiktheater, das dem Team die Aufmerksamkeit des Fachpublikums und etliche Auszeichnungen beschert habe. Der Vertrag des Intendanten wurde im Februar nicht verlängert.