Gudrun Bauer "Bildung ist das A und O"
Seit Jahren engagiert sich Verlegerin Gudrun Bauer für die Welthungerhilfe. Volksstimme-Redakteurin Grit Warnat fragte nach.
Frau Bauer, die Philharmonie der Nationen spendet zehn Prozent des Gesamterlöses der Neujahrskonzerte an die Welthungerhilfe. Welches Projekt kann mit dem Geld unterstützt werden?
Mir liegen die Flüchtlingslager in der Region Gaziantep in der türkisch-syrischen Grenzregion besonders am Herzen. Ich war vor Ort. Es ist kaum Hoffnung in den Augen der Menschen zu erkennen, weil sie keine Perspektive sehen. Wir müssen ihnen eine Perspektive geben – durch die Kinder. Ich habe Schulen besucht und gesehen, wie vormittags türkische Kinder lernen und nachmittags die syrischen Flüchtlingskinder von syrischen Lehrern unterrichtet werden. Diese Kinder müssen ihren Weg gehen können. Bildung ist das A und O. Aber Lehrer und Schulbusse müssen bezahlt werden. Und die Kinder brauchen ein Mittagessen.
Setzt die Welthungerhilfe verstärkt auf Bildung?
Die Welthungerhilfe ist stark geprägt von Landwirtschaft und Ernährung. Aber die Welt hat sich verändert, ist unglaublich in Bewegung. Wir haben in Uganda Agriculture Schools, aber die jungen Leute sagen, Landwirtschaft hat mein Vater gemacht, wir wollen mehr. Sie sehnen sich nach Bildung, nach einem vernünftigen Beruf, den sie auch ausüben können und die Familie unterstützen. Dann muss nicht die fünfjährige Schwester mit auf dem Acker schuften.
60 Millionen Menschen auf der ganzen Welt mussten ihre Heimat verlassen. Was kann die Welthungerhilfe leisten?
Es ist eine unvorstellbare Zahl, die zeigt, dass viel zu tun ist. Wenn wir alle nur einen Schritt machen würden, dann könnten wir Berge versetzen. Es ist heute nicht damit abgetan, Steine zu bewegen, wir müssen uns die Berge vornehmen und auf vielen Ebenen arbeiten – gegen den Hunger und für Bildung.