Heute vor fünf Jahren wurde die Anna Amalia Bibliothek in Weimar wiedereröffnet / Großbrand zerstörte 50000 Bücher unwiederbringlich Bis 2016 soll der größte Teil der Bücher restauriert sein
Weimar (dapd) l Fünf Jahre nach der Wiedereröffnung der historischen Bibliothek in Weimar läuft die Restaurierung der Bücher bisher voll nach Plan, lautet das Fazit von Jürgen Weber, stellvertretender Direktor der Bibliothek.
"Das Besondere in unserem Fall ist die schiere Menge, die wir zu restaurieren hatten", sagt er. Nach dem Brand seien 118000 Bände aus dem Haus geborgen worden - aneinandergereiht entspreche das einer Regalreihe von drei Kilometern Länge. Dank der generalstabsmäßigen Planung konnte ein Großteil inzwischen wiederhergestellt werden. 50000 Bände sind allerdings unwiederbringlich verloren. Gleich nach der Rettung waren die meisten Bücher nach Leipzig gebracht und dort mit einem Spezialverfahren gefriergetrocknet worden, um die Bücher vor dem weiteren Verfall zu schützen. Von 34000 Büchern mit leichteren Beschädigungen warten noch etwa 3000 auf die Restaurierung.
Die größten Sorgenkinder sind bis heute die sogenannten Aschebücher: 28000 schwer beschädigte Werke, von denen nur Einzelblätter oder der sogenannte Buchblock - die gebundenen Seiten ohne Umschlag - übrig waren. Vermengt mit Bauschutt und Asche waren diese Fragmente aus dem zerstörten Gebäude geborgen worden. Auf 20 Container verteilt wanderten sie für drei Wochen zur Spurensicherung auf den Hof der Weimarer Polizei. Erst dann konnten die Bibliotheksmitarbeiter die feuchten, und teils bereits mit Schimmel aneinandergeklebten Buchskelette bergen.
Heute sind 300000 Blätter der teils stark zerstörten Bände restauriert, bis 2016 soll diese Zahl auf eine Million anwachsen. Bei der Sichtung zusätzlich aufgetauchter Teile der herzoglichen Musikaliensammlung könnten aber dafür sorgen, dass auch nach 2016 noch zusätzlicher Restaurierungsbedarf bestehe, sagt Weber. Für die aufwändige Instandsetzung der einzelnen Seiten wurde in der Werkstatt für beschädigtes Schriftgut ein eigenes Verfahren entwickelt, mit dem die Restaurierung maschinell vorgenommen wird.