Gilbert & George in der Schirn in Frankfurt

Kunst und Liebe für ein Leben lang

In der Schirn stellen Gilbert & George aus

ARCHIV - 17.05.2017, Berlin: Die britischen Künstler Gilbert Prousch (l) und George Passmore vom Künstlerduos Gilbert & George stehen in der St.-Matthäus-Kirche. Seit über einem halben Jahrhundert leben und arbeiten die beiden Exzentriker Gilbert & George als preisgekröntes Gesamtkunstwerk. (zu dpa: «Gilbert & George: Religionen haben Schreckliches getan») Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ ZB

Uwe Kreißig

Sie sind ein altes Ehepaar mit einer gemeinsamen Firma: Gilbert, aus Oberitalien, und George, ein waschechter Engländer, sind seit über fünf Jahrzehnten künstlerisch und privat untrennbar verbunden. Eine Auswahl ihrer großformatigen Bilder, die vereinfacht eine optische Fusion aus gotischer Kathedralenfensteroptik und Pop-Art darstellen, sind in der „Great Exhibition“ in der Frankfurter Schirn zu sehen. Nun zählen Gilbert & George seit über 30 Jahren zum Establishment im internationalen Kunstbetrieb.

Dennoch haben sich Expositionen des konservativen Künstlerduos zum Politikum entwickelt. Ihre Interviews enthalten durchdachte Reflexionen zu Kunst, Kultur, Religion und Politik, die den Mainstream außer Acht lassen. „Ich mag am Brexit, dass die Menschen zum ersten Mal wieder nachdenken, was sie wirklich wollen“, äußerte George zum EU-Austritt des Vereinigten Königreichs, den sie befürworteten. „Sie nennen sich liberal, aber sie sind total intolerant“, sagten sie jüngst im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf die Frage, warum sie „die Linken als Feindbild“ bräuchten. Da sie in jeder Hinsicht unabhängig sind, auch weil sie vom Kunsthandel immer geliebt wurden, können sie sich diese Meinung leisten. Angenehm war bei G&G immer, dass sie es nie kompliziert machten. 2017 erklärten sie in der Zeitschrift „Weltkunst“, wie ihre Arbeiten entstehen: „Man muss als Künstler gar nichts erfinden. Man muss nur die Augen aufmachen.“