Rundfunk-Jugendchor begeistert vor seinem Gastspiel in Brüssel bei einer öffentlichen Generalprobe in Hasserode Der Klang scheint aus der Tiefe und Weite des Raums zu kommen
Wernigerode l Vor dem Gastspiel in Brüssel hatte der Rundfunk-Jugendchor am Freitag zur öffentlichen Generalprobe in die Christuskirche Hasserode geladen. Eine sinnvolle Konzertstätte, stand der Auftritt doch unter dem Motto "Jesu, meine Freude". Gesungen wurde geistliche Chormusik zum Lutherjahr "Reformation und Musik".
Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass der künstlerische Leiter Peter Habermann den berühmten Chor mit einem nie gehörten Klang neu erfand. Das freilich ist Ergebnis intensivster Probenarbeit.
Der Chorklang schien aus der Tiefe und Weite des Raumes zu kommen. Habermann gab den Stimmen keine Einsätze mehr. Sie setzten von selber ein. Er reduzierte sein Dirigat auf minimalste Bewegungen. Nur die inhaltliche Gestaltung zählte. Eine solche Organisation des Klanges ist deutschlandweit einmalig. Er gestaltete ein ungeheures Musikerlebnis mit Zeitgeist!
Zum Chorklang gesellte sich eine Programmdramaturgie, die auf die bislang unvermeidlichen Sprecher verzichten konnte. Stilepochen und Genres verbanden sich organisch mit größter Selbstverständlichkeit zum Gesamtkunstwerk "Reformation und Musik".
Hier ging es um den Sinn und die Wirkungen von fünf Jahrhunderten seit Luther. Um Inhalte. Madrigalen von Claudio Monteverdi und Motetten von Heinrich Schütz aus dem 16. Jahrhundert folgte das romantische "Richte mich, Gott" von Felix Mendelssohn Bartholdy und die Moderne mit "Lux aurumque" von Eric Whitacre (*1970) und "Peace I leave with you" von Knut Nystedt (*1915). Luthers Choral "Eine feste Burg ist unser Gott" im aufregenden Satz von Lukas Osiander (1571-1638) und die Bach-Motette "Jesu, meine Freude" schlossen sich an - alles Werke von höchstem Schwierigkeitsgrad. Gesungen wurde in vier Sprachen.
Zu den bewegendsten Momenten gehörte die herausragende Mitwirkung von Schülern der 12. Klassen als Instrumental- und Vokalsolisten und als Dirigenten. Jonas Hilger an der Orgel spielte Bachs Toccata und Fuge d-Moll; fünf Sängerinnen und Sänger dirigierten, wobei Hilger und Sven Wassiepe mit Gestaltungskraft und Präzision herausragten. Zeichen für die ausgezeichnete Arbeit am Landesgymnasium für Musik.
Der zweite Teil wurde mit "Salve regina" von Franz Liszt eingeleitet, dem Traditionals und Spirituals folgten - mit grandiosen Chorsolisten. Bravorufe einschließlich Fußgetrappel - Wernigerode huldigte seinen Kulturbotschaftern und ruhte nicht eher mit Beifall, bis der letzte der 60 jungen Sänger die Kirche verlassen hatte.