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Ausstellung Die zweite Seite der Bildhauerin

Die Lyonel-Feininger-Galerie zeigt in der Sonderausstellung "Aus den Zeiten" das grafische Werk der Bildhauerin Sabina Grzimek.

Von Grit Warnat 05.10.2017, 01:01

Quedlinburg l Landschaften, Porträts, Jazzmusiker, urbane Milieus, Stillleben – und immer wieder die eigene Familie. Für „Aus den Zeiten“ hat sich Museumschef Michael Freitag persönlich im Atelier der in Berlin lebenden Künstlerin umgesehen und aus einem gewaltigen Konvolut, wie er sagt, aussuchen müssen. Hunderte Blätter hat er gesichtet, sich für 130 Arbeiten und neun Skulpturen entschieden. Sein Ziel: Ein Querschnitt durch fünf Jahrzehnte Grzimek’scher Grafik. Laut Freitag sei es die erste museale Retrospektive der Grafik von Sabina Grzimek, die ab Januar in der Berliner Galerie Pankow gezeigt wird.

Von 1965 bis 2017, Grzimek ist immer noch aktive Arbeiterin, reicht der Blick auf ihr Schaffen. Das ist geordnet nach Themen, nicht nach Jahren. Familie und Kinder geben den Einstieg in die Schau. Sie zeigt sich selbst, immer wieder auch ihre Kinder und deren Freunde, später dann die Enkel. Die Handschrift der Künstlerin zeigt Veränderung. Nur Linie, stark reduziert, zeigt „Nastasia malt“. Es gibt keine Raumtiefe. Alles wirkt zart, fast wie eine Federzeichnung. Als Sujet finden sich immer wieder Tochter Anna und Sohn Anton und ihre Entwicklungsstationen. Mit der Kaltnadel lässt sie Anton laufen, einige Jahre danach sitzt der Sohn mit dem Stift in der Hand. Die Bronzearbeit zeigt „Anton lernt schreiben“. Daneben – viele Jahre später – Kopfstudien des Enkels. Wieder Familie. Valentin gibt es auch fast impressionistisch in Beton.

Die Ausstellung wird noch persönlicher – bei den Selbstporträts. „Ein frohes 1986“ steht in Kinderschrift auf der Radierung von 1968. Haare, Mund, Nase, Augen, alles tintenblau. Später dann das Gesicht gekennzeichnet von Alterung, Verfall. Das Ganzkörperporträt mit verzerrten Proportionen – wie vor einem schräg gestellten Spiegel. Das ist nicht alles nett anzusehen. Hart zu sich selbst sei sie in diesen Arbeiten, sagt Freitag.

Wenn der Galeriechef durch die Ausstellung führt, dann verweist er auf das Feld der Grafik, das das bildhauerische Werk der Künstlerin umkreist habe, das stets wichtiger Boden gewesen sei für all ihre skulpturalen Arbeiten. Um dieses Zusammenspiel zu zeigen, stellt er in den Raum einen Fuß aus Gips, dahinter sind in Rahmen gehängt „Meine Füße“, „Meine Hand“, und Porträts, geätzt und gekratzt. Zum Pferd aus Bronze gesellen sich Tiere verschiedenster Art: Amsel, Drossel und Fink, Schafe, eine Katzenmutter als Folge, Che, ihr Hund. Es sind Reflexionen der eigenen Welt.

Die Künstlerin, so sagt der Feininger-Chef, habe als Dank für die Quedlinburger Schau die ausgestellten grafischen Arbeiten dem Museum geschenkt. Freitag spricht von einem bedeutenden Konvolut für die weitere Entwicklung der Feininger-Galerie zu einem Museum für grafische Künste.