1. Startseite
  2. >
  3. Kultur
  4. >
  5. Ein Salzburg für jedermann

LIVE:

Der erste Weimarer Sommer lockt mit Kulturfestivals, Konzerten und Sommertheater Ein Salzburg für jedermann

Von Ute Semkat 23.07.2012, 03:25

Wer die Klassikerstadt Weimar als zu schwere Kost für die Ferien empfindet, könnte etwas verpassen. In diesem Sommer entdeckt sich Weimar nicht nur für Goethe-Verehrer neu und bietet Kultur für die ganze Familie.

Weimar l Die ARD dreht diesen Sommer eine Staffel ihres Vorabendkrimis "Heiter bis tödlich" in Weimar. Nicht nur als Filmkulisse, sondern "als einen Hauptschauplatz eines festlichen Kultursommers" will Christoph Stölzl, Präsident der Weimarer Hochschule für Musik, die Klassikerstadt in den deutschen Ferienkalender eintragen. Mit dem unverbrauchten Blick des vor zwei Jahren "Zugezogenen" schwärmt der Professor: "An einem warmen Sommerabend in einem Weimarer Straßencafé stellt sich so ein Verona-Gefühl ein. Nur die Opern-Arena fehlt hier."

Stattdessen gibt es in diesem Jahr den ersten Weimarer Kultursommer. Für alle, die eben nicht nach Italien in den Urlaub reisen, bietet die Stadt bis Anfang September ein fast lückenloses Programm mit einem Mix der Genres vom Konzert über Sommertheater und Ausstellungen bis zum "Videomapping".

Beteiligt sind private und institutionelle Veranstalter einschließlich Kirchengemeinde, deren Angebote und Termine erstmals aufeinander abgestimmt und somit unter der Überschrift Weimarer Sommer gemeinsam vermarktet werden konnten, sagt Uta Kühne, Pressesprecherin der Weimar GmbH, die Wirtschaftsförderung und Tourismusservice unter einem Dach betreibt.

Es gibt "Eingespieltes" wie das Kulturfestival Yiddish Summer oder das volkstümliche Goethe-Weinfest mit Musik und Thüringer Gaumenfreuden. Neu hinzugekommen sind ein Filmfest und eine Fassadenprojektionsshow zum Genius Loci der früheren Residenzstadt. Daraus soll sich ab 2013 ein Sommerfestival internationaler Medienkünstler fest in Weimar etablieren. Kühne verweist auch auf den kleinstädtischen Vorteil kurzer Wege zu allen Veranstaltungsorten für die Besucher. Stölzl, ein Impulsgeber des Weimarer Sommers, formuliert das Ziel fortissimo: "Wir wollen die Kulturtopografie Deutschlands etwas gerechter verteilen." Weimar solle eine feste Adresse werden, aber: "Nicht so elitär wie Bayreuth und nicht so teuer wie Salzburg".

Goethe-Verehrer, die den Museumsbesuch abends mit einem Konzert abrunden möchten, könnten ebenso auf ihre Kosten kommen wie der Fahrradtourist, der sich nach der Tour noch unterhalten lassen möchte, oder wie die Familie, die Weimar zum Beispiel bei kinderfreundlichen "Rucksack-Touren" entdecken kann. Und ein Kulturtrip nach Weimar gelinge auch spontan ohne jahrelange Kartenvoranmeldung, will sich Stölzl noch einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Zu DDR-Zeiten hätten übrigens die Weimarer Meisterkurse als eine Art Salzburger Festspiele gegolten, denn dann reiste die internationale Musikerelite an. Eine solche holt Nike Wagner aus der Bayreuther Dynastie seit 2004 zum Kunstfest Pèlerinages heran, das schon ein bisschen elitär den Weimarer Sommer beschließen wird. Zum Beispiel mit einer Licht- und Klanginszenierung nach Liszts "Via Crucis" durch den amerikanischen Bühnenkünstler Robert Wilson.

Auffällig ist, dass beim Weimarer Sommer(-Marathon) nicht zuerst über Geld geredet wird. Zwar gebe es eine Förderung, aber vornehmlich kümmere sich jeder einzelne Veranstalter selbst um Sponsoren, betont Kühne. Im Programm soll mittelfristig ein Schwerpunkt auf die Klassiker gesetzt werden, Stölzl könnte sich einen Weimarer "Faust" vor dem Schloss als Pendant zum Salzburger "Jedermann" vorstellen. "Wir sehen uns dann in Weimar - dieser Satz muss zur Selbstverständlichkeit werden", beschwört er.

Alle Termine unter www.weimar.de