Gangsterbraut und Powerfrau - Faye Dunaway wird 75
Eiskalt und zielsicher: Als Gangsterbraut Bonnie Parker schoss die blutjunge Faye Dunaway an der Seite von Warren Beatty in Hollywood nach oben. Vor fast 50 Jahren. Die Oscar-Preisträgerin wird nun 75.
Los Angeles (dpa) - Zum Filmedrehen fühlt sich Faye Dunaway nicht zu alt. Die Oscar-Preisträgerin, die heute (14. Januar) ihren 75. Geburtstag feiert, steht für The Bye Bye Man vor der Kamera. Kurz vor Halloween, im kommenden Oktober, soll der Horrorstreifen in die Kinos kommen.
Eine Oscar-verdächtige Rolle ist es nicht. Dunaway ist neben Carrie-Anne Moss der bekannteste Name, die übrigen sind jüngere Nachwuchsdarsteller, die College-Studenten in einem Spukhaus spielen.
Die Glanzjahre von Hollywoods Powerfrau sind längst vorbei. Als coole Blonde nahm sie es einst mit den stärksten Männern auf und zwang sie lässig in die Knie. Als eiskalte Gangsterbraut in Bonnie und Clyde (1967) brachte sie Warren Beatty das Fürchten bei. In Thomas Crown ist nicht zu fassen (1968) war sie ebenso kaltblütig wie ihr Leinwandpartner Steve McQueen.
Als kühle undurchsichtige Blondine brachte sie in Chinatown (1974) Jack Nicholson aus der Fassung. In der schwarzen Komödie Network (1976) schlug sie als berechnende Karriere-Frau zu - und erhielt dafür ihren ersten und bisher einzigen Oscar. Zuvor war sie zwei Mal für den begehrten Filmpreis nominiert worden (Bonnie und Clyde, Chinatown).
Doch Dunaway, eine herbe Hollywood-Schönheit mit auffällig grünen Augen und hohen Wangenknochen, mischt immer noch mit. Beim Filmfest im französischen Lyon stand sie im Herbst 2014 auf der Bühne. Im Jahr zuvor holte sie beim Internationalen Filmfestival Locarno den Leopard Club Award. Ich durfte oft starke, eigensinnige Frauen verkörpern. Dadurch habe ich verstanden, wie wichtig es ist, dass Frauen für ihre Rechte einstehen, für das, woran sie glauben, kämpfen, sagte sie rückblickend auf ihre fast 50-jährige Karriere . Zum Glück gab es Regisseure, die mich gefordert und dadurch gefördert haben.
Vor fünf Jahren war ein elegantes schwarz-weißes Plakat der jungen Dunaway das Motiv des Filmfestivals in Cannes. Das Foto stammte von dem US-Regisseur und Fotografen Jerry Schatzberg, der 1970 mit Dunaway sein Debüt Puzzle of a Downfall Child inszenierte.
In ihren Memoiren (Looking for Gatsby, 1995) schrieb Dunaway, dass sie bereits mit fünf Jahren Schauspielerin werden wollte. Ihr Handwerk lernte sie unter anderem am New Yorker Lincoln Center unter Anleitung des legendären Elia Kazan. Nach ihrem Oscar-Sieg 1976 brach Dunaways Karriere in Hollywood zunächst ein. Sie zog nach England, wo sie den Fotografen Terry O'Neill heiratete und 1980 ihren Sohn Liam gebar.
Nach dem Scheitern ihrer zweiten Ehe - in den 70er Jahren war sie mit dem Rockmusiker Peter Wolf verheiratet - kehrte Dunaway nach Hollywood zurück. Mit dem Porträt einer Trinkerin in dem Bukowski-Film Barfly (1987) an der Seite von Mickey Rourke feierte sie ein Comeback. Hollywood ist eine schwierige Stadt zum Überleben, vertraute sie 1999 dem US-Magazin Esquire an. Da war Dunaway gerade 58 Jahre alt.
Bonnie Parker war meine erste Rolle, sie ist mir in vieler Hinsicht am ähnlichsten, resümierte die Schauspielerin über ihr Debüt als junge Gangsterbraut in Bonnie und Clyde. Sie war ein Mädchen aus einer Kleinstadt im Süden, sie kam aus dem Nichts, hungrig und zielstrebig. Sie wollte etwas Bedeutsames tun und Erfolg haben. Sie hatte eine gewisse Poesie in ihrer Seele.