Kunst – Kultur – Karstadt Jubiläumstour mit elegantem Jazz
Von Liane Bornholdt
Magdeburg. Ein ausgesprochen unterhaltsamer Abend war versprochen zur Saisoneröffnung der Magdeburger Jazzmusikreihe Kunst – Kultur – Karstadt, und es wurde auch unterhaltsam. Das Sextett "Joys Of Jazz" ist auf Jubiläumstour und feiert den 20. Geburtstag zünftig, indem es sich Gäste einlädt. In diesem Fall waren es der Pianist Niels Unbehagen, der "Joys Of Jazz" auf der Tour begleitet und auch verschiedene Titel für die Gruppe komponiert hat und als Stargast Peter Petrel.
Nach zwei Einführungstiteln kam der Sänger auf die Bühne – auch er ein Jubilar, denn er ist Jahrgang 1930 – und bezauberte die Jazzergemeinde im Magdeburger Karstadt. Noch immer und immer wieder erstaunt Peter Petrel mit einer wandlungsfähigen Stimme und mit virtuoser Technik. Er versteht sich ausgezeichnet auf die stilistischen Nuancen des klassischen Jazz, singt mal bluesig-rauchig, mal frech und swingend und auch über leuchtenden Tenorglanz verfügt er noch immer. Perfekt passend dazu der elegante Jazz-Sound der Band. Besonders auffällig der weiche, sehr kultivierte Bläserklang von Mike Kirschbaum, Trompete, Mike Rafalczyk, Posaune, und Adi Nobis, Saxofon. Die klangliche Finesse verbindet sich mit eine sehr sympathischen improvisatorischen Lässigkeit und dem ansteckenden Vergnügen an musikalischen Späßen.
Der virtuoseste Musiker dieser Band allerdings agierte etwas im Hintergrund, aber natürlich ließen die Vollblutjazzer gerade ihm Gelegenheit für einige ausführliche Soli. Rudolf "pluto" Kemper an Gitarre und Banjo, 1990 Mitbegründer der "Joys Of Jazz", ist ein Ausnahmemusiker. Unvergleichlich beherrscht er den Swing, sorgt immer für die richtigen Beats, aber auch auf dem Banjo ist er unvergleichlich. Er entlockt dem trockenen Klang dieses Instruments Diskanttöne, die silbrig-hell wie Glöckchen klingen, spielt virtuose Läufe, die einem der Atem stocken lassen, und kann dies alles und mehr noch auch auf der Akustikgitarre. Ein Erlebnis, das dem sonst so gefällig-wohlgeformten Spiel der Band viel Spannung verlieh.
Die Rhythmusgruppe vervollständigten mit ebenfalls musikantischer Klasse Moritz Gastreich, Schlagzeug, und Nico Gastreich, Bass.
Peter Petrel fühlte sich sichtlich und hörbar wohl mit diesen Musikern und auf der Karstadt-Bühne, und er genoss den Auftritt, bei dem er zu seinen musikalischen Wurzeln zurückkehrte und nicht einen einzigen Schlager sang.