Jungfilmer werfen tiefen Blick auf Flüchtlingsthema
Seit Jahren ist das Thema Flüchtlinge auf der Tagesordnung, seit Monaten bestimmt es die Diskussion in Deutschland. Die Nachrichten scheinen sich zu überschlagen. Mit ihren eigenen Mitteln widmen sich Jungfilmer den einzelnen Aspekten des Problems.
Saarbrücken (dpa) - Flucht übers Mittelmeer, geschlossene Grenzen, Willkommenskultur in Deutschland oder langes Warten auf eine neue Heimat - das Flüchtlingsthema zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm des Max Ophüls Preises sagt die Leiterin des derzeit in Saarbrücken laufenden Festivals, Gabriella Bandel.
Ob Spiel- oder Dokumentarfilm, ob kurz oder lang, viele Jungfilmer beleuchten in ihren Werken, die dieses Jahr in die Kinos oder auf den Bildschirm kommen, die verschiedensten Aspekte des Themas.
In dieser schnelllebigen hektischen Zeit kann der Film Ruhe in die Diskussion bringen und das Problem in allen Facetten in seiner Vielschichtigkeit darstellen, sagt Programmleiter Oliver Baumgarten. Die Probleme bei der Integration beleuchtet GESTRANDET der Dokumentarfilmerin Lisei Caspers. Sie hat anderthalb Jahre lang den Weg von fünf Eritreern verfolgt, der sie in die 1500 Seelen-Gemeinde Strackholt in Ostfriesland geführt hat.
In dem Film lässt sie die jungen Männer und zwei Helfer die Geschichte erzählen - den Versuch, eine neue Heimat zu finden. Die Flüchtlinge werden herzlich in der Gemeinde willkommen geheißen. Umsorgt werden sie von der Journalistin Christiane und dem pensionierten Schuldirektor Helmut. Doch im Laufe der Zeit wandelt sich die Euphorie in Frust: Von der Anerkennung hängt ab, ob unser Leben sich ändert, sagt einer der Flüchtlinge im Film - und das dauert 18 bis 21 Monate.
Einen ungewöhnlichen Blick auf die Thematik wirft ein Autorenteam in dem Schweizer Episoden-Spielfilm HEIMATLAND. Darin setzen sich 10 Regisseure in stimmungsgeladenen Bildern mit der sich immer mehr gegen Ausländer abschottenden eidgenössischen Gesellschaft auseinander. Die Schweiz wird von einer unheilkündenden, düsteren Wolke bedroht, Chaos bricht aus - viele wollen aus ihrer Heimat fliehen. Doch die EU macht die Grenzen dicht - für Schweizer.
Das Grauen bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer, in dem Tausende Flüchtlinge ertrinken, thematisieren zwei kürzere Filme. In 16-Minuten bringt MAYDAY RELAY das Dilemma zwischen der Rettung von Menschen und der Angst ums eigene Überleben auf die Leinwand. Der deutsche Segler Max und seine Tochter empfangen ein Notrufsignal von einem sinkenden Flüchtlingsboot, ändern den Kurs Richtung Unglücksstelle. Doch dann kommt heraus, dass 100 Menschen am Ertrinken und in Panik sind - zu viele, um sie alle an Bord zu nehmen.
Dem gleichen Thema widmet sich der 28 Minuten lange Streifen BOATPEOPLE. Der schiffbrüchige Somalier Moussa wird von Hannes und Gerlinde gerettet, die auf ihrem luxuriösen Katamaran im Mittelmeer unterwegs sind. Moussa will nicht, dass die Segler Frontex oder die Küstenwache zu Hilfe rufen, er will illegal nach Europa. Ist Moussa wirklich ein Flüchtling oder ein Schlepper?
Eigens für das Festival wurden die Werke von drei jungen syrischen Filmemachern fertiggestellt, die nach Deutschland geflohen sind. Das von Bundes- und Landeszentrale für politische Bildung unterstützte Programm Blick zurück nach vorne zeigt drei Aspekte des Konflikts in Syrien.
In 43 erzählt der Kurde Roulan Jadan die Geschichte eines Waisenjungen, der Freundschaft mit einem herumirrenden syrischen Aktivisten schließt. In A ROOM WITH MILLIONS OF WALLS geht es um die Erinnerungen eines Fotografen an die schrecklichen Bilder, die er im Bürgerkrieg in Homs gesehen hat. Und in SILENCE OF COLOURS dokumentiert Filmemacherin Diana Kadah das Leiden eines homosexuellen Modeschöpfers, der nach Beirut geflohen ist und im Malen einen Ausweg aus seinen Ängsten sucht. Wir wollen zeigen, dass unter den Flüchtlingen viele Menschen sind, die Berufe haben wie wir und unsere Leidenschaft Kino teilen, sagt Baumgarten.