Was würde Chefarzt Dr. Heilmann dazu sagen? Millionen von Fernsehzuschauern ist Thomas Rühmann als netter Ober-Mediziner bekannt. Nun nimmt er eine Gitarre zur Hand und tritt mit einer eigenwilligen Interpretation von Neil Young vor das Publikum.

Von Rolf Westermann

Berlin (dpa). In der Woche steht Thomas Rühmann in Leipzig als Chefarzt Dr. Heilmann vor der Kamera. Für die beliebte ARD-Krankenhausserie "In aller Freundschaft", die jeden Dienstagabend oft mehr als sechs Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockt, hat er bisher mehr als 500 Folgen gedreht.

Nun erfüllt sich der 55-Jährige einen Jugendtraum und kommt als eigenwilliger Interpret von Neil-Young-Titeln auf die Bühne. Zusammen mit dem Gitarristen Rainer Rohloff singt und spielt er Stücke des kanadischen Musikers.

Dabei entsteht eine Collage aus Musik und Poesie, aber Rühmann will nicht der bessere Young sein. "Es ist ein Abend voller falscher Fassungen", beschreibt er das Programm. "Nichts wird einfach kopiert."

Das kann etwas schräg werden, etwa wenn das Duo den Akustik-Hit "Heart of Gold" mit E-Gitarre schmettert, dazu noch mit deutschem Text. Aus dem Goldherz wird im Refrain "Kopf aus Holz" – angelehnt an eine Interpretation des 1998 gestorbenen Liedermachers Gerhard Gundermann. Zwischendurch erzählt Rühmann Geschichten. "Ich durchbreche gern die Erwartungen der Leute. Den Punkt, als fragende Gesichter der Zuschauer bei mir Panik erzeugten, habe ich zum Glück überwunden."

Als Rühmann, der nicht mit dem großen deutschen Schauspieler Heinz Rühmann verwandt ist, Anfang der 80er Jahre mit dem Ost-Berliner Gorki-Theater erstmals im Westen auf Tournee war, kaufte er sich zwei Schallplatten: "Abbey Road" von den Beatles und "Live Rust" von Neil Young. Vor zwei Jahren besuchte Rühmann ein Konzert mit dem Musiker in Leipzig. Anfangs war er enttäuscht; spannend wurde es erst, als er an die Bühne ging und den Sound mit voller Lautstärke erlebte.

Heute hat er etwa 30 CDs von ihm. "Neil Young hat mich immer begeistert. Ich genieße die Improvisationen, die Musik zieht mich rein", schwärmt er.

Zum Gitarrenspiel kam Rühmann als kleiner Junge zu Hause in Magdeburg. Es war ein großer Haushalt, er hatte fünf Schwestern und einen Bruder. "Da stand immer ein Instrument rum. Einer hat es gelernt und an die anderen weitergegeben."

Termine werden in die Drehpausen gelegt

Mitte der 90er Jahre kaufte sich Rühmann in der Nähe von Zürich eine handgefertigte Akustik-Gitarre, mit der er nun auf der Bühne steht. Vor zwei Jahren schaffte er sich auch noch eine Elektro-Gitarre an.

Sein Berufsleben sieht er als Kontrast – einerseits die lange Krankenhausserie, in der er seit der ersten Folge 1998 mitspielt. Dann als Gegenstück die andere Welt seines kleinen Theaters am Rand, das er im Oderbruch im Osten Brandenburgs betreibt. "Ich habe Glück, dass ich ein festes Engagement habe", betont Rühmann. "Einmal im Jahr überlege ich, ob ich weitermache, aber wir machen in Leipzig dauerhaft ein handwerklich anständiges Produkt." Das sei eine gute Grundlage für die anderen Projekte.

Die Tournee mit dem Stück "Jung & Young" beginnt am 5. November in Storkow in Brandenburg. Weitere Stationen sind Dresden, Erfurt und Ingolstadt. Die Termine streut er ein, wenn er Drehpause hat. Sobald er den Arztkittel ausgezogen hat, schaltet er um. Auf der Autofahrt bereitet er sich auf den Auftritt vor. "Es ist auch ein Stück über mich", hat Rühmann festgestellt. "Musik wird mir immer wichtiger. Vielleicht habe ich die Sprache schon ausgeschöpft, bei der Musik ist noch viel zu entdecken."

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