Nordharzer Städtebundtheater inszeniert Kindermusical "Pettersson und Findus" Liebenswerte Figuren im turbulenten Stück
Das Nordharzer Städtebundtheater hat als Weihnachtsmärchen "Pettersson und Findus" inszeniert. Das Kinderstück nach Sven Nordqvist hatte am Wochenende in Quedlinburg Premiere.
Quedlinburg l Wie kann man ein klitzekleines Ensemble von sieben Schauspielern in zwei Teile stückeln und dabei dennoch größte Publikumserfolge für Kinder wie für Erwachsene produzieren? Indem man mit vier Schauspielern als Weihnachtsmärchen das Kindermusical "Pettersson und Findus" spielt und mit dem Rest das Sartre-Drama "Geschlossene Gesellschaft" auf die Bühne stellt. Zu besichtigen sind herausfordernde Kraftakte wie dieser im Nordharzer Städtebundtheater. Alle Achtung!
Also am Sonnabend "Pettersson und Findus" im voll besetzten Großen Haus Quedlinburg. Vom ersten Moment an funktioniert der Kontakt zwischen Bühne und Saal. "Wie macht ein schwedischer Wecker?", fragt der Erzähler (Markus Manig) das Publikum und bekommt postwendend die Antwort "Döngeldöngeldöngel". Die Kinder kennen und lieben die gewitzten Lebensweisheiten des 65-jährigen Schweden Sven Nordqvist sehr.
Er wollte ursprünglich eine Geschichte von zwei alten Leuten schreiben, die immer noch etwas erledigen müssen, bevor sie zum Eigentlichen kommen, und dann schon vergessen haben, was sie tun wollten. So brauchte der alte Pettersson jemanden zum Reden. Eine Frau sollte es aber nicht sein. Also spricht seine Katze.
Die liebenswerte Personnage bevölkert das Stück - der kleine Kater Findus (Jörg Vogel), der skurrile Tüftler Pettersson mit dem hohen runden Hut (Benedikt Florian Schörnig), das kess-vorlaute Huhn Prillan (Julia Siebenschuh) und weitere Hennen, ein Schwein, zwei Kühe, ein Stier. Im Zeitalter größter Sparsamkeit werden sie von zwei sich in Weltrekordzeit umziehenden Statisten gespielt und gesungen.
Christian Berg schrieb aus den zwei Bilderbüchern "Eine Geburtstagstorte für die Katze" und "Aufruhr im Gemüsebeet" eine bühnenwirksam-turbulente Stückvorlage, die mit der Musik von Konstantin Wecker seit zehn Jahren die Theaterhäuser und Freilichtbühnen erobert.
Ausstattung in Bewegung
Regie führte Robert Klatt; er stattete seine Protagonisten mit lapidarem, trockenem Witz aus, der den jungen Zuschauern mit ihrem Drang zu Coolness sehr gefällt. Von Petra Korink stammt die Ausstattung, die immer in permanenter Bewegung ist. Ein Detail zieht das nächste nach sich. Aus jeder Einzelheit der Kostüme und des Bühnenbildes mit Haus, Werkstatt und Hühnerstall sprechen liebenswerter Humor und ein menschliches Maß. Diesen Kater und den alten Pettersson muss man einfach lieb gewinnen, ebenso wie den Erzähler, wie das Huhn und den Hühnerhof-Backgroundchor! Wie Julia Siebenschuh mit jedem Schritt und jedem Gackern eine reinrassige Leghorn-Henne auf flinken Füßen gibt, ist schon eine schauspielerische Meisterleistung!
Unbedingt verdient der Gesang der annähernd zehn Titel des Musicals besondere Beachtung: Sie sind so frech und vorlaut, so verspielt und nachdenklich, wie Kinder nun einmal sind. Konstantin Wecker schuf ihnen haltbare Musik wie Ohrwürmer: "Ha, ha, ha", "Lirum-larum, warum-darum", die "Hühnersinfonie" oder "Man ist, was man ist" machen die Philosophie des Liederpoeten deutlich.
Es heißt, der Buchautor Sven Nordqvist befände sich derzeit in einer schweren Schaffenskrise. Mag sein. Aber warum holt er sich keinen Rat bei Kindern? Sie haben herrlich unbekannte, unkonventionelle Gedanken - das zeigte auch die Premierenvorstellung!
Nächste Vorstellungen: Heute 9 und 11 Uhr, 30. November: 9 und 11 Uhr, alles in Halberstadt