KünstlerkolonieMagdeburger forscht zu Ahrenshoop

Ahrenshoop feiert 2017 den 125. Gründungstag seiner Künstlerkolonie. Gründer Paul Müller-Kaempff wird auf besondere Weise geehrt.

Von Klaus-Peter Voigt 29.09.2017, 23:01

Magdeburg/Ahrenshoop l Maßgeblichen Anteil an der Umbettung hat ein Magdeburger. Konrad Mahlfeld, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im St. Marienstift der Landeshauptstadt, hat sich seit dem Jahr 2005 der Forschung zu Paul Müller-Kaempff (1861-1941) verschrieben. Heute gilt er als der Experte zum Leben und Schaffen des Gründers der Künstlerkolonie, bei dem sich Sammler und Forscher aus ganz Europa, Australien und den USA melden. Bei den Arbeiten an einem dreibändigen opulenten Werkkatalog, dessen erster Teil jüngst erschienen ist, stieß er auf das völlig in Vergessenheit geratene Grab des Malers und seiner Frau Else.

Beide hatten ihre Ruhestätte auf dem stillgelegten Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf gefunden. Nach dem Mauerbau war dieser vom in Westen Berlins liegenden Wilmersdorf abgeschnitten und wurde nicht mehr genutzt. „In der Verwaltung fanden wir die komplette Kartei aller Verstorbenen und konnten uns auf die Suche nach der letzten Ruhestätte des Künstlerpaares machen“, erinnert sich Mahlfeld. Der liegende Grabstein im Feld H III war im Laufe der Jahrzehnte von einer 20 Zentimeter dicken Humusschicht bedeckt aber noch vorhanden. Die wechselvolle deutsche Geschichte hatte verhindert, dass die Gräber wie sonst üblich nach einer gewissen Liegezeit aufgelassen wurden. Der Magdeburger hält das für einen Glückfall. Für ihn gehört die Entdeckung zu den „emotionalsten Momenten“ im Laufe seiner Forschungsarbeiten.

Ahrenshoop erfuhr von dem Fund und bemühte sich um die Genehmigung der Umbettung. Mit einem festlichen Gottesdienst findet diese nun ihren Abschluss. Paul Müller-Kaempff und seine Frau erhalten ein würdiges Grab auf dem Schifferfriedhof, den der Künstler oft besucht und 1893 auch gemalt hatte.

Ahrenshoop war für Konrad Mahlfeld schon zu DDR-Zeiten Urlaubsort. Erst nach der Wende habe er die einstige Künstlerkolonie richtig wahrgenommen, für die sich anfangs eher Insider interessierten. Viele Bilder waren dort im Laufe der Jahre entstanden, manches noch auf dem Kunstmarkt zu haben.

Ursprünglich wollte der Magdeburger die Arbeiten vieler Maler zusammentragen, aber die von Müller-Kaempff begeisterten ihn zunehmend. Mehr wollte er über den Mann wissen, der Ende des 19. Jahrhunderts die Künstlerkolonie aus der Taufe hob. Ähnliche Projekte wie beispielsweise auch in Worpswede schossen damals wie Pilze aus dem Boden, waren Ausdruck für den Willen sich dem etablierten Kunstbetrieb zu entziehen, aus eine Kreis auszubrechen, der im Wilhelminischen Kaiserreich von Akademien geprägt war. „So entstand die bis dahin eher seltene Freilichtmalerei“, sagt Mahlfeld.

Museen, Bibliotheken und Archive bilden die Grundlage für Mahlfelds Forschung. Akribisch trägt er alles zusammen, das sich mit Müller-Kaempff beschäftigt. 1.700 Arbeiten von ihm konnte er bisher erfassen, 1.400 davon habe er auch selbst in Augenschein genommen, lautet seine nüchterne Bilanz. Reisen bis nach Bulgarien, die Schweiz und Österreich gehörten dazu. Fast immer war der Fotograf Hans-Wulf Kunze mit dabei, der jedes Werk ablichtet. Der Arzt nennt das Vorhaben „allein logistisch eine Herausforderung“. Die meisten Bilder befinden sich in Privatbesitz, vielfach hänge da nur ein Exemplar. Mit allen Besitzern mussten Termine vereinbar werden.

Der nun vorliegende erste Band des Werkverzeichnisses enthält die erste Biografie von Else Müller-Kaempff und informiert im zweiten Teil unter anderem über schriftliche Zeugnisse zu ihrem Gatten sowie dessen Ausstellungen zu seinen Lebzeiten. Da spielt auch Magdeburg wieder eine Rolle.

In der Elbestadt zeigte er 1888 in den Räumen Kunstvereins im Dom erstmals seine Bilder unter Müller-Kaempff, dessen zweiter Teil aus dem Mädchennamen der Mutter stammte.

Im kommenden Jahr will Mahlfeld das zweite Buch vorlegen, das sich mit Arbeiten auf Papier beschäftigt, 2019 soll das Verzeichnis der bekannten Gemälde folgen.