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Pop-Art-Künstler Jim Dine im Museum Folkwang

Wer Bilder im Baumarkt kauft, kennt wahrscheinlich das berühmteste Motiv des US-Malers Jim Dine: Herzen in allen Farben. Doch der Pop-Art-Künstler ist weitaus vielschichtiger.

26.10.2015, 23:01
Jim Dine 2004 in der SK Stiftung Kultur in Köln vor seinem Werk "Bottle of Brains, the fiend abroad". Foto: Oliver Berg
Jim Dine 2004 in der SK Stiftung Kultur in Köln vor seinem Werk "Bottle of Brains, the fiend abroad". Foto: Oliver Berg dpa

Essen (dpa) - Es sind die bunten Herzen, die sofort zum "Kenn-ich-doch"-Effekt führen: Mit ihnen hat der amerikanische Maler und Grafiker Jim Dine Popularität erlangt. Großformatig, knallig, oft mit herabrinnenden Farbtropfen - wie frisch gemalt. Nachahmungen gibt es in jedem Baumarkt.

Das Herz als Motiv der Alltagskultur wurde zum Klassiker der Pop-Art. Aber ein Jim Dine lässt sich nicht darauf reduzieren. "Ich habe es nicht erfunden, nur benutzt. Wenn es kopiert wird, hat das nichts mit mir zu tun", sagt der 80-Jährige im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Außerdem hat der Künstler weitaus mehr zu bieten. Das Essener Folkwang Museum widmet Dines grafischem Werk eine Ausstellung mit dem Titel "About the Love of Printing" (bis 31. Januar 2016), die seine Jahrzehnte lange Leidenschaft für Druckgrafiken repräsentiert. Mehr als 1000 Werke hat er mit dieser Technik geschaffen und dabei immer neue Varianten der Bearbeitung entdeckt.

Sichtbar wird dies beim Pinocchio-Motiv, dem das Museum einen eigenen Raum mit rund 40 Arbeiten widmet. Dine hat Holzschnitt, Radierung und Lithografie vermischt, um der Kinderbuchfigur mit der langen Nase Ausdruck zu geben. Einer Druckplatte rückte er sogar mit der Kettensäge zu Leibe. "Pinocchio begleitet mich seit meiner Kindheit. Wir sind beide Lügner", scherzt der in Ohio geborene Künstler.

Vielen gilt Jim Dine als einer der Väter der amerikanischen Pop-Art. Er veranstaltete in den 1960er Jahren in New York schräge Happenings, bei denen er vermeintliche Farbe trank - die in Wahrheit Tomatensoße war - und sie sich über den Kopf schüttete. Zwar ist er jünger als die großen Weggefährten Andy Warhol und Roy Lichtenstein; aber in seiner Schaffenskraft, die provokant sein und verstören konnte, war er nicht weniger bedeutend, nur weniger bekannt. "Wir waren nur eine Gruppe von Leuten. Ich bin immer ich selbst geblieben", sagt er bescheiden im Rückblick auf die bewegten Zeiten.

Für die Essener Ausstellung, die mit 160 Werken einen guten Überblick über sein grafisches Schaffen gibt, ist Jim Dine aus Paris angereist, sein zweiter Wohnort neben Walla Walla im US-Staat Washington. Er berät und gestaltet bei der Hängung. Und er koloriert vor Ort zwei seiner Arbeiten. Währenddessen entschied er spontan, dem Folkwang 230 grafische Blätter zu schenken. "Ich liebe dieses Museum sehr", sagte er.

Jim Dine-Ausstellung: About the love of printing