Halle (dpa) l Wenn zwei sammeln, könnte sich auch doppelt so viel anhäufen. Muss es aber nicht. Zumindest nicht, wenn die beiden Sammler eine Abneigung gegen Schränke, Vitrinen, Kisten voller Sammlungsstücke haben. „Eine Sammlung muss leben“, sagt die Hallenser Schmuckkünstlerin Margit Jäschke und meint damit, dass man Sammlungsstücke durchaus auch benutzen kann. Sie und ihr Mann, der Schmuckkünstler Georg Dobler, sammeln Kunst aus Keramik. Sie besitzen Objekte mit skulpturalem Charakter von Martin Möhwald, Sarah Pschorn und Johannes Nagel, um nur drei sehr unterschiedliche Künstler der Sammlung zu nennen. Die meisten Objekte können benutzt werden – als Vase oder Schale. „Sammeln darf in meinen Augen nicht starr sein. Ich will nichts festhalten, ich möchte mich mit schönen Dingen umgeben, die mich für meine eigenen Arbeiten anregen und die wir benutzen“, sagt Margit Jäschke.

Die Sammlung der beiden Künstler ist so alt wie ihre Ehe – etwas mehr als zehn Jahre. Seitdem kaufen sie vor allem Keramik von Künstlern aus der Region. Die heimische Kunstszene nennt Margit Jäschke einen „großen Schatz“, der „ein unfassbares Potenzial“ habe. Sie mögen, was ihre Kollegen machen, kaufen spontan, orientieren sich weniger am Marktwert eines Künstlers, als am eigenen Geschmack. Hätten sie früher mit dem Sammeln begonnen, würden sie außerdem Zeichnungen von William Kentridge oder Cy Twombly oder Gemälde von Julian Schnabel besitzen. Doch als diese Kunst noch bezahlbar war, sammelten sie noch nicht.

Perfekte Inszenierung

Manchmal kaufen Sie Keramik auf Reisen in Venedig oder New York, regelmäßig bei den Durchgängen der Burg Giebichenstein und auf der Grassi-Messe in Leipzig, wo Margit Jäschke ihren Schmuck vorstellt und verkauft. „Wenn ich gut verkauft habe, leiste ich mir auch etwas von einem Kollegen, dessen Arbeiten ich auf der Messe gesehen habe“, sagt Jäschke. Als Unterstützung versteht sie dieses Kaufen keineswegs. „Wieso sollte ein Kunstkauf eine Unterstützung für den Künstler sein? Ich als Käufer bekomme doch etwas für mein Geld. Den Bäcker unterstützt man ja auch nicht, wenn man seine Brötchen kauft“, sagt Margit Jäschke. Und Georg Dobler ergänzt: „Für unsere Kaufentscheidungen ist der finanzielle Wert eines Werks nicht ausschlaggebend. Ich kaufe keine Kunst, um damit zu spekulieren, sondern um mich mit schönen Dingen zu umgeben. Sammeln ist täglicher Genuss.“ Zu Platznot führe dieser Genuss bei ihnen nicht, sagen beide. Eine Petersburger Hängung, ein Übereinander, ein Dicht an Dicht würden sie nicht ertragen. Ihnen ist die optisch perfekte Inszenierung ihrer Stücke ebenso wichtig wie das Benutzen-Können, wenn auch nicht Müssen.

Debatte um Schränke

Daher gibt es Objekte auf Tischen, auf Konsolen an der Wand, auf Fensterbänken, Treppenabsätzen. Beim Aufbewahren in Schränken sind sie sich nicht so einig. Margit Jäschke würde gern mal etwas austauschen, anderes dafür in den Schrank stellen. Ihrem Mann widerstrebt das, denn er verfolgt ein Raumkonzept, in dem jedes Stück, „wie in einer Familie“, seinen Platz findet. Zum Glück für den Ehefrieden hat Margit Jäschke fürs Neu-Arrangieren nicht viel Zeit.

Die Kunst der Kollegen umgibt sie solange sie sie mögen. Manchmal verschenken sie ein Stück, manchmal geht auch etwas kaputt. Sie verstehen sich nicht als typische Sammler. Deshalb machen sie sich auch keine Gedanken über den Verbleib der Sammlung. Viel mehr interessiert sie, was andere Sammler mit ihrer eigenen Kunst, mit den Schmuckstücken von Margit Jäschke und Georg Dobler in Zukunft machen werden. Denn viele von ihnen sind älter als die beiden Künstler und müssen Lösungen für den Fortbestand ihrer Sammlungen finden.