Bis nach Hollywood Promi-Geburtstag vom 3. Juli: Tom Stoppard
Der Oscar-Preisträger ("Shakespeare in Love") und Meister der intellektuellen Komödie mit subtilem Humor und ausgefeilten Wortspielen wird 80.
London (dpa) - Als junger Mann sieht er Mick Jagger ähnlich: der volle, ungezähmte Schopf, die fleischigen Lippen, die Vorliebe für fließende Mäntel. Doch schon 1977 urteilt das Intellektuellen-Heft "New Yorker" über Tom Stoppard: "Niemand würde Stoppard jemals Sklave seiner Leidenschaft nennen oder sich vorstellen, dass ihn romantische Besessenheit vom Kurs abbringen würde."
Damals verkriecht er sich ins Hotel, um durchzuschreiben, mit Zimmerservice rund um die Uhr, überquellendem Aschenbecher und Füllfederhalter. Das vermisse er, gestand er dem "Telegraph": "Heutzutage kann ich nicht mehr in Hotels arbeiten, weil ich beim Arbeiten rauche." Am Montag (3. Juli) feiert er seinen 80. Geburtstag.
Geboren wird er als Tomáš Straussler im mährischen Zlín, in der heutigen Tschechischen Republik. Der Vater arbeitet als Arzt im Betriebskrankenhaus des Schuhkonzerns Bata. Der Inhaber rettet all seine jüdischen Angestellten, indem er sie kurz vor der deutschen Besetzung 1939 in Zweigstellen auf der ganzen Welt versetzt. Stoppards Familie gelangt nach Singapur, später nach Indien. Viele seiner Verwandten – das erfährt er erst Jahrzehnte später – werden in Konzentrationslagern umgebracht. Als sein Vater stirbt, heiratet seine Mutter einen englischen Offizier.
Mit 17 verlässt Stoppard die Schule und arbeitet als Lokaljournalist in Bristol. "Ich wartete nur darauf, dass sie eine Teekanne nach mir warfen oder die Polizei riefen", beschrieb er dem Telegraph seine Furcht vor Interviews. Nebenher schreibt er Dramen; sein erstes Bühnenstück wird 1964 als "Der Spleen des George Riley" in Hamburg uraufgeführt.
Ein Stipendium ermöglicht es ihm, am Literarischen Colloquium in Berlin-Wannsee die erste Version seines erfolgreichsten Bühnenstücks "Rosenkrantz und Güldenstern sind tot" zu schreiben: eine absurde Tragikomödie um zwei Nebenfiguren aus Shakespeares "Hamlet". Es wird bis heute gespielt: Daniel Radcliffe ("Harry Potter") stand im Frühjahr 2017 im Old Vic als Rosencrantz auf der Bühne.
Er schreibt Dutzende von Theaterstücken, als letztes "The Hard Problem" (2015), und Hörspiele fürs Radio – etwa "Darkside" (2013), das auf Pink Floyds "Dark Side of the Moon" basiert. Er übersetzt Arthur Schnitzler und Vaclav Havel ins Englische und wird immer wieder von Hollywood angeheuert, um Drehbüchern den letzten Schliff zu geben - darunter Tim Burtons "Sleepy Hollow" und "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug". Regisseur Steven Spielberg verriet 2005 der Zeitschrift Empire, dass Stoppard "für fast jede Dialogzeile" verantwortlich gewesen sei. 1999 erhält er zusammen mit Marc Norman den Oscar für das Drehbuch "Shakespeare in Love" mit Gwyneth Paltrow.
2014 heiratet er überraschend seine dritte Frau Sabrina Guinness, eine der Erbinnen der irischen Brauerei-Familie. Sie wurde in den 70er Jahren für ihre Beziehungen mit Prinz Charles, Mick Jagger und David Bowie bekannt. Als sich ihre zwanzigjährige Freundschaft in Romantik verwandelt, versucht er, sie davon abzubringen: "Mein Refrain war: "Du willst wirklich niemanden wie mich" - weil ich sehr antisozial bin", sagte er dem "Telegraph".
Auch mit fast achtzig ist er noch bei Theaterproben dabei und verbessert sein eigenes Skript: "Jahre sind vergangen, man hat andere Vorstellungen davon, was humorvoll ist, dein Geschmack ändert sich", sagte er dem "Guardian" im Februar über die Proben zu "Travesties" mit Tom Hollander. "Ich denke, die Schauspieler mögen die Idee, dass du nur für sie kleine Dinge machst, die vorher noch nie gemacht wurden."
Das alles hält ihn davon ab, sich aufs Schreiben zu konzentrieren. "Als ich jünger war, konnte ich etwas Sinnvolles tun, wenn ich nur einen halben Tag Zeit hatte", sagte er der "Times". "Jetzt brauche ich fünf Tage, um die Welt hinter mir zu lassen, und zwei Wochen, während derer ich mit niemandem spreche, um alles in meinem Kopf zu halten." Und seine Verpflichtungen werden nicht weniger: Gerade wurde er als Gastprofessor für zeitgenössisches Theater nach Oxford berufen.