Comedy-Serien Schräge Sitcom über eine Tankstelle
Die zwölfteilige Sitcom "Tanken" auf ZDFneo beweist, dass auch deutsche Comedy-Serien richtig lustig sein können.
Berlin l Schon seit Stunden sitzt der Mitarbeiter namens Waldemar regungslos auf seinem Stuhl und starrt Löcher in die Luft. Eigentlich nicht ungewöhnlich, denn den guten Waldemar (Matthias Wiebalck) zeichnen durchaus eine gewisse Trägheit und ein Hang zum Nichtstun aus.
Doch irgendwann schöpft sein Kollege Daniel (Ludwig Trepte) dann doch Verdacht und er fragt sich, ob Waldemar nicht vielleicht tot ist, friedlich verschieden an seinem Arbeitsplatz in Deutschlands einsamster Tankstelle weit draußen vor den Toren der Stadt. Kein Grund zur Panik für den phlegmatischen Daniel, aber durchaus für den neuen Leiter der Nachtschicht, den Zwangsneurotiker Georg (Stefan Haschke). Der setzt eine Ereigniskette in Gang, die in der ersten Folge dieser ausgesprochen lustigen Sitcom den kompletten Mitarbeiterstab nebst diversen Kunden ins totale Chaos stürzt und schließlich ein Sondereinsatzkommando der Polizei auf den Plan ruft.
Die zwölfteilige Serie „Tanken“ läuft ab 31. Juli immer dienstags auf ZDFneo und zeigt, dass auch deutsche Sitcoms schön schräg und richtig lustig sein können. Hauptfigur der neuen Serie, die sich der Drehbuchschreiber und Headautor Gernot Gricksch („Das Leben ist nichts für Feiglinge“) ausgedacht hat, ist zwar der größenwahnsinnige, superpenible und obsessive Filialleiter Georg, der die Nachtschicht unbedingt auf Vordermann bringen will.
Der eigentliche Held aber ist der von Jungstar Ludwig Trepte („Unsere Mütter, unsere Väter“) gespielte Studienabbrecher Daniel, der sich an der Tanke nur ein paar Euro dazuverdienen will und den chaotischen Ereignissen zunehmend fassungslos gegenübersteht. Komplettiert wird die Truppe von Kassierer Olaf (Daniel Zillmann), der nicht nur ein paar Pfund zu viel auf den Rippen, sondern meistens auch dicke Kopfhörer auf den Ohren hat, mit denen er seinen geliebte Rockmusik hört. Er ist unsterblich in seine Kollegin Jana (Christina Petersen) verliebt, die wiederum Nachtschicht-Boss Georg ein Dorn im Auge ist, weil sie die begehrte Tagschicht leiten darf, aus der er nach einer Abmahnung rausgeflogen ist. Als er in der zweiten Episode glaubt, einem schlüpfrigen Geheimnis von Jana auf die Schliche gekommen zu sein, setzt Georg alle Hebel in Bewegung, die verhasste Konkurrentin zu entlarven – und macht sich dabei selbst zum Affen.
Die neue Sitcom lebt von schneller und abstruser Situationskomik, äußerst schrägen Figuren und witzigen Dialogen. Wenn sich etwa der bornierte Georg bei einer muslimischen Kundin mit geheuchelter Fürsorge danach erkundigt, ob ihr das Kopftuch nicht gewaltig die Sicht einschränke, antwortet die junge Frau ungerührt: „Nicht mehr als ihr Brett vor dem Kopf.“
Für den schnauzbärtigen Sprücheklopfer Georg unterscheiden sich die Menschen in „Angestellte“ und „Entscheider“, und er lässt keinen Zweifel daran, zu welcher Gruppe er sich selber zählt. Insofern erinnert er an einen anderen kleinen Chef aus einer anderen lustigen Serie: der von sich absolut überzeugte aber völlig unfähige Abteilungsleiter Bernd Stromberg aus der Büro-Sitcom „Stromberg“ lässt schön grüßen.
"Tanken – mehr als Super", Dienstag, 31. Juli, 22.45 Uhr, ZDFneo