Warum braucht Halle ein Literaturhaus?
Alexander Suckel:
Die Frage ist eher, warum hatte Halle bisher kein Literaturhaus?

Und warum nicht?
Das frage ich mich auch. Ich finde Literaturhäuser etwas Tolles, denn es sind wunderbare Orte der Begegnung zwischen Autoren und Publikum.

Es gibt auch ein großes Interesse an Sachbüchern. Wie streng nehmen Sie den Literaturbegriff?
Wir wollen hier in Halle einen sehr breiten Literaturbegriff zugrunde legen. Bei uns wird nichts ausgeschlossen, es geht also auch um Wissenschaftsliteratur, Kinderliteratur, um Krimis. Wir wollen den kulturvollen Streit etablieren. Wir planen daher eine gesellschaftspolitisch-soziologische Reihe, es wird um Philosophie, um Psychoanalyse gehen. Wir ziehen die Ränder sehr weit. Es geht uns weniger um die glamouröse Abendveranstaltung.

Fehlte so ein Ort bisher in Halle?
Wir erfinden das Rad nicht neu – natürlich hat es Lesungen und Literaturvermittlung auch schon vor uns gegeben. Aber nun haben wir einen sehr schönen Ort, der all das bündeln kann. Viele Institutionen wie die Leopoldina und Institute der Universität sowie Privatpersonen haben Interesse an einer Zusammenarbeit.

Von städtischen Kulturinstitutionen wird Internationalität und Regionalität erwartet. Wie ist Ihre Vorstellung von einer idealen Mischung?
Wir wollen sowohl für mitteldeutsche Autoren eine Heimstatt sein wie für Gäste von außerhalb. Die Neugier von Kollegen aus der Region und aus Berlin, Hamburg, München, Leipzig ist bereits jetzt groß.

Es dauerte nur ein Jahr, das Haus zu übernehmen und zu eröffnen - wie erklären Sie sich diese ungewöhnliche Geschwindigkeit?
Da kamen viele glückliche Umstände zusammen. Das Haus, einst das Kunstforum der Sparkasse, stand seit Ende 2016 leer. Es gab das große Bedürfnis in der Stadt, dieses Haus für Kunst und Kultur zu erhalten.

Sie sind Dramaturg. Was reizt Sie, ein Literaturhaus zu leiten - da ist ja doch viel Bürokratie dabei?
Das stimmt, es ist viel Bürokratie, vor allem am Anfang. Wir, meine Mitarbeiterin und ich, mussten alles organisieren – von der Mülltonne und dem Telefonanschluss bis zum Programm. Aber das Schöne ist, dass ich einen großen Gestaltungsspielraum habe, dass ich selbst etwas auf die Beine stellen kann. Für mich ist es eine sehr beglückende Erfahrung, das alles selbst machen zu können und zu müssen.

Welche Kunstausstellungen werden Sie zeigen?
Dieses Haus ist ein gut eingeführter Ort für Bildende Kunst. Es war nie Bedingung, aber es gab schon Interesse von Seiten der Stadt und der Sparkasse, hier weiterhin Ausstellungen zu zeigen. Der Platz ist da. Wir werden uns nicht auf Buchkunst beschränken, aber schon im Spannungsfeld zwischen Sprache und Bildender Kunst bewegen.

Sie eröffnen das Haus am kommenden Wochenende mit einem tollen Programm, unter anderem mit den Schriftstellern Judith Hermann und Jan Wagner. Was planen Sie für den Alltag danach?
Wir planen jetzt das Programm bis Juni. Es wird klassische Lesungen geben und die Reihen, über die wir schon sprachen. Es hängt natürlich auch vom Budget ab.

Wie groß ist das Budget und was können Sie damit machen?
Es ist eine klassische Mischfinanzierung aus städtischer Unterstützung und Geld von der Sparkasse. Dazu haben wir für verschiedene Projekte Förderungen beantragt, die aber noch bearbeitet werden. Deshalb kann ich das noch gar nicht sagen.

Wie sicher ist dann der Fortbestand des Literaturhauses?
Wir haben einen Mietvertrag über fünf Jahre mit der Option auf fünfjährige Verlängerung. Das gibt uns Sicherheit. Denn: Wir sind gekommen, um zu bleiben.