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Andrea Berg gastierte auf ihrer Abenteuer-Tour 2012 in der Magdeburger GETEC-Arena Singende Piratin verzückt die Mannschaft

Von Rolf-Dietmar Schmidt 26.03.2012, 03:28

Fast am Ende ihrer dreimonatigen Abenteuer-Tour 2012 faszinierte Andrea Berg am Freitagabend in der ausverkauften Magdeburger GETEC-Arena Tausende Zuhörer mit einer grandiosen Bühnenshow. Mehr als 20 Konzerte zum 20-jährigen Bühnenjubiläum, doch von Müdigkeit keine Spur.

Magdeburg l Ein riesiges Piratenschiff mit einer mehrstöckigen Brücke, dessen Bug weit in das Publikum ragt, und das überdimensional von der weiblichen Kapitänsfigur Andrea Berg überragt wird - so präsentiert und sieht sich die charismatische Schlagersängerin auf ihrer Tournee völlig zu Recht. Schließlich hatte sie schon nach Minuten, gleich nachdem sie unter "Ah" und "Oh" an Seilen von der Schiffsbrücke in Höhe des Hallendachs aufs Vorderschiff schwebte, ihr Publikum, sie sagte ihre Piratenmannschaft, voll im Griff.

Und während überall in der aufwändigen Dekoration die Flammen loderten - etlichen Feuerwehrleuten in der Halle dürfte der Angstschweiß auf der Stirn gestanden haben - eröffnete die erfolgreiche Schlagersängerin mit "Piraten, wie wir, werden niemals untergehen" die maritime Weltreise. Schon zu diesem Zeitpunkt waren die teilweise von weither angereisten Fans verzückt. Es wurde getanzt, gesungen, geschunkelt, Leuchtstäbe reckten sich ihr entgegen und Feuerzeuge wurden geschwenkt.

Andrea Berg ist zweifellos eine Ausnahmekünstlerin. Und sei es nur die Fähigkeit, tausende junge und ältere Zuhörer fast übergangslos vom ersten Moment ihrer Präsenz an in den Bann zu ziehen. Weder die Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen veränderte die Sängerin in Stil oder Ausstrahlung, noch die Tatsache, dass sie hemmungslos musikalisch von Hollywood bis Hans Albers alles vereinnahmt, was das Publikum begeistert. "Seemann, Deine Heimat ist das Meer" (Lolita, 1960), "Schön war die Zeit" (Freddy Quinn, 1956) bis zu "Ein Schiff wird kommen" (Lale Andersen, 1960), das Zuhörern aus DDR-Zeiten in einem ganz anderen Zusammenhang geläufig war, kennzeichnete den seemännischen Teil, von dem aus Andrea Berg fast nahtlos in den Bereich Liebe, Schmerz, Sterne und Sehnsucht als ihre eigentliche künstlerische Heimat wechselte.

Interpretation ohne Scheu vor großen Namen

Genau nach 45 Minuten kam dann in der perfekt choreographierten Show ihr Erfolgstitel "Du hast mich 1000mal belogen". Spätestens von diesem Moment an tobte der Saal und trug Andrea Berg auf einer Sympathiewelle förmlich von einem Schlager zum nächsten.

Doch auch leise Töne beherrscht die Krefelderin, die eigentlich gelernte Krankenschwester ist, bevor sie die Scheinwerfer und der Glamour der Musikbranche vor zwei Jahrzehnten in den Bann zogen. Markus, ihr Gitarrist, begleitet sie als Musiker seither, doch auch die als Piraten verkleideten Mitglieder ihrer Band hatten an diesem Abend Gelegenheit, ihre Sonderklasse unter Beweis zu stellen.

Und dann war sie wieder da, die Andrea Berg, wie sie ihre Fans lieben: In großer, leicht lasziver Pose, mit einem sexy Outfit und rhytmischen Gassenhauern, wie "Die Gefühle haben Schweigepflicht" von einem ihrer zahlreichen Alben, um dann sofort wieder "Ja, ich liebe das Leben" (Vicky Leandros, 1975) zu singen. Es ist diese Mischung von eigenen und fremden Hits, die sie in sehr eigenwilliger Interpretation ohne Scheu vor großen Namen, Gefühlen oder Bildern, erfolgreich ihrem Publikum anbietet.

Ja selbst der kaum noch von irgendjemandem nicht gesungene Titanic-Song aus dem gleichnamigen Hollywood-Film "My Heart Will Go On" mit Céline Dion wird passend vom Bug des Piratenschiffs geschmettert. Dem Publikum gefällts.

Feuerzauber und Kanonendonner

Feuerzauber und Kanonendonner, laute und leise Töne, große Gefühle und kleine Gesten - Andrea Berg versteht es wie kaum eine andere, das alles beinahe nahtlos zu verbinden. Und was sie mit künstlerischer Ausstrahlung nicht schafft, das bringt die überragende Show. Da wundert es denn nicht, dass sie sogar mit dem Volkslied "Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?" oder dem berühmten Heinz-Rühmann-Schlaflied "Lalelu" nach drei Stunden ihre schwärmenden Fans nach Hause schickt, die zum großen Teil sicher noch von ihr geträumt haben.