Magdeburg l Der Rücktritt der Vorsitzenden Dorothea Iser (72) und ihre Strafanzeige gegen Jürgen Jankofsky (65) sind Höhepunkte in einem seit Wochen erbittert geführten Streit beim Friedrich-Bödecker-Kreis, einem Verein zur Lese- und Literaturförderung. „Ich will Klärung“, sagt Iser, die sich nach eigenen Aussagen Angriffen ausgesetzt sah, „die weit unter der Gürtellinie liegen“.

Der sechsköpfige FBK-Vorstand hatte seine Mitglieder bereits Ende Juni über die Entlassung des Geschäftsführers informiert, ohne damals Gründe zu nennen. Daraufhin gab es einen Protestbrief mit 90 Unterschriften von Schriftstellern, Verlegern, Wissenschaftlern. Es gibt bis heute Anfeindungen. Einige reden von einem unkittbaren Riss durch die Autorenschaft, gar von Krieg ist die Rede. Mit dem Rücktritt Isers wird nun der Kündigungsgrund erstmals genannt: Jankofsky soll zwischen dem 25. Juli 2016 und dem 18. Dezember 2017 Übersetzerleistungen für sein Kinderbuch „Anna Hood“ über den FBK abgerechnet haben. Es geht um 4090 Euro. Zudem habe er Aufwandsentschädigungen für Tätigkeiten gefordert, die zu den vertraglich fixierten Aufgaben des Geschäftsführers zählen würden. In dem Brief des Vorstandes werden ihm Betrug, Vorteilsnahme, Verschleierung und Missbrauch seiner Funktion vorgeworfen.

Projekte gehen weiter

Jankofsky war am Dienstag nicht zu erreichen. Im Juli hatte er in einem Schreiben erklärt, dass er in „all den Jahren stets im Interesse des Vereins und nie eigennützig gehandelt habe“. Jankofsky, der mehr als 50 Bücher veröffentlicht hat, war seit 2000 Geschäftsführer. Autorin und Verlegerin Iser führte den Verein seitdem als Vorsitzende.

Jankofsky, der im Januar 2019 in Rente geht, hatte zuletzt ein Gehalt von 4700 Euro erhalten. Das Land fördert den Bödecker-Kreis mit jährlich 313 700 Euro. Das Kulturministerium wollte sich auf Volksstimme-Anfrage nicht zu den Querelen äußern. Iser erklärte, dass Projekte wie Interlese, Lesekrone und Schulschreiber weitergehen.

Kommentar "Ein tiefer Riss" zum Thema.