The Last Witch Hunter: Vin Diesel jagt die Hexe
Intelligentes Genrekino mit Actionstar Vin Diesel: Ein Hexenjäger macht seinen Job und meditiert über Zeit und Ewigkeit. Veredelt wird das ansehnliche Fantasy-Spektakel vom großartigen Michal Caine.
Berlin (dpa) - Untote bevölkern seit den Anfängen des Kinos die Leinwände. Von Murnaus Nosferatu über diverse andere Vampir-Gestalten bis zu den gruseligen Walking Dead gibt es viele Spielarten der Spezies, die nicht sterben kann. Und die Ewigkeit kann manchmal verdammt lang werden.
In The Last Witch Hunter spielt Actionstar Vin Diesel (Fast & Furious) den 800 Jahre alten Hexenjäger Kaulder, der im New York der Gegenwart gegen die Mächte des Bösen in den Kampf zieht. Entstanden ist ein überraschend intelligenter, fast schon nachdenklicher Genrefilm, der sich neben den üblichen Kampfszenen viel Zeit lässt für Reflexionen über Vergänglichkeit und die Kostbarkeit des Lebens. Und eine Prise Humor gestattet sich das von Regisseur Breck Eisner (The Crazies - Fürchte deinen Nächsten) routiniert in Szene gesetzte Fantasy-Spektakel auch noch.
Das beginnt schon augenzwinkernd, als Kaulder im Flugzeug bei schwerem Gewitter mit allerlei Hokuspokus die tobenden Himmelsmächte beruhigt, und dabei die gute, ebenso junge wie attraktive Hexe Chloe (Rosie Leslie, Game of Thrones) trifft. Kaulder und Chloe müssen sich verbünden, um gemeinsam die dämonische Hexenkönigin (Julie Engelbrecht) zu besiegen. Chloe ist eine Traumwandlerin, die Zugang zum Unterbewusstsein anderer Menschen hat. Ganz raffiniert pendelt der Film immer wieder zwischen Realität und Traumwelt. So erfahren wir auch von Kaulders Trauer um seine Frau und Tochter, die vor Urzeiten starben, aber immer noch durch die Träume des einsamen Hexenjägers geistern.
Vollgas-Mime Vin Diesel, der bislang vor allem auf brachiale Turbo-Actionrollen abonniert war, spielt diesen Kaulder erstaunlich differenziert. Er ist der zum ewigen Leben verurteilte Einzelgänger, der sich daran erinnert, dass New York auf den Gräbern von Sklaven erbaut wurde. In seiner Freizeit repariert er alte Uhren, trinkt gerne Whisky und verführt auch mal eine Stewardess. Sein einziger Freund ist der Geistliche Dolan (Michael Caine), der als eine Art spiritueller Übervater dem Hexenjäger zur Seite steht. Als Dolan unter mysteriösen Umständen stirbt, übernimmt sein junger Nachfolger (Elijah Wood) den Job. Und der Stress geht los.
Keineswegs will der Film sich frauenfeindlich geben: Es gibt viele gute Hexen, und Kaulder räumt ein, dass historische Hexenprozesse wie in Salem in den USA ein Verbrechen waren. Aber gegen die abgrundtief böse Hexenköngin helfen eben nur Feuer und Schwert. Die Special-Effects-Zauberer haben ganze Arbeit geleistet und ein vielgestaltiges Alptraumwesen erschaffen, das von den düsteren Gemälden und Fotos des polnischen Surrealisten Zdzislaw Beksinski (1929-2005) inspiriert wurde.
Aber so ganz lässt sich das Böse nicht aus der Welt schaffen. Der rund 90 Millionen Dollar teure, von Vin Diesel mitproduzierte Film lässt sich ein Hintertürchen offen. Laut Filmdatenbank IMDb gibt es zumindest schon Spekulationen über eine Fortsetzung. Das muss ja keine Ewigkeit dauern.