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Überraschender Erfolg: Die Expo in Mailand endet

Nach sechs Monaten geht die Weltausstellung Expo in Mailand zu Ende. Das offizielle Besucherziel wurde erreicht, die Organisatoren sind zufrieden - dennoch bleiben einige Kritikpunkte und Fragezeichen.

Von Miriam Schmidt und Alvise Armellini, dpa 30.10.2015, 07:01

Mailand (dpa) - Vor Beginn der Expo waren die Katastrophen-Szenarien allgegenwärtig: Wenige Wochen vor der Eröffnung war das Gelände noch eine riesige Baustelle, ein Korruptionsskandal traf mehrere Manager und bei der Eröffnung kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Expo-Gegnern.

Doch kurz vor dem Ende der sechsmonatigen Weltausstellung in Mailand ist der erwartete Flop ausgeblieben. Ganz im Gegenteil, viele Italiener werten die Expo als großen Erfolg - auch wenn einige Fragen und Kritikpunkte bleiben. Eine Bilanz zum Ende der Expo:

BESUCHER: 20 Millionen Besucher hatten die Organisatoren als offizielles Ziel ausgegeben. Diese Marke wird nun sogar übertroffen, vor allem dank eines kontinuierlichen Anstiegs der Besucherzahlen und vergünstigter Tickets gerade in den letzten Wochen. Ich denke, dass wir die Grenze von 21 Millionen erreichen werden, erklärte Expo-Chef Giuseppe Sala. Ein negativer Aspekt waren dafür die teils langen Wartezeiten. Das Ziel wurde auch wegen der reduzierten Tickets erreicht, sagte Professor Marco Ponti, Infrastruktur-Experte an der Universität Politecnico Mailand der Deutschen Presse-Agentur. Den wirklichen Grad des Erfolges wird man erst an den Gewinnen sehen.

FINANZEN: Was die Expo finanziell gebracht oder gekostet hat, lässt sich noch nicht genau beziffern. Sala hatte vor Beginn der Expo erklärt, für eine ausgeglichene Bilanz brauche man 24 Millionen Besucher. Fest steht, dass für das Gelände, die Infrastruktur und die Veranstaltung mehrere Hundert Millionen Euro ausgegeben wurden. Profitiert haben vor allem regionale Firmen sowie die Hotel- und Tourismusbranche, die sich auch langfristige Effekte erhoffen.

IMAGE: Die Expo erntet tosenden Applaus beim Publikum und zeigt das positive Gesicht Italiens, lobte Italiens Regierungschef Matteo Renzi zuletzt. Das ist ein Grund für uns, stolz zu sein. Renzi nutzte die Weltausstellung fleißig zur Imagepflege, empfing in Mailand zahlreiche Regierungschefs, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Umfrage des Bauernverbands Coldiretti ergab, dass immerhin 88 Prozent der Besucher die Expo positiv bewerten und drei Viertel der Italiener sie als Erfolg für ihr Land sehen.

IDEEN: Das Motto Den Planeten ernähren, Energie fürs Leben war gut gesetzt und sinnvoll. Und auch die Umsetzung gelang zumindest in großen Teilen, drehte sich bei der Expo doch vieles um neue Ideen zur Ernährung sowie Strategien für die Lebensmittelindustrie und die Landwirtschaft. Zahlreiche Politiker und Prominente unterschrieben die Carta di Milano, ein Manifest gegen den Hunger auf der Welt. Das Thema war aber vor allem bei Konferenzen und Veranstaltungen präsent, den normalen Expo-Besucher erreichten viele Botschaften nicht.

DANACH: Was in Zukunft mit dem Expo-Gelände passiert, war in den letzten Tagen der Weltausstellung ein großes Thema. Renzi kündigte etwas nebulös an, er werde sich im November dazu äußern. Sicher ist bis jetzt nur: Der italienische Pavillon und der zum Wahrzeichen avancierte Baum des Lebens sollen stehen bleiben und im Frühjahr 2016 wieder öffnen. Was mit dem Rest des riesigen Geländes passiert, ist noch nicht klar. Die Ideen reichen von einem Uni-Campus über ein Zentrum für Start-ups bis hin zu einer großen Grünfläche. Doch zunächst einmal werden die Pavillons abgebaut und abtransportiert. Für sie gibt es einige kreative Ideen - so sollen der brasilianische Pavillon versteigert und der Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi wieder aufgebaut werden.

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