Karen Stones Inszenierung der "Hochzeit des Figaro" begeistert das Magdeburger Publikum Und am Ende sind sie alle glücklich
"So sind wir alle glücklich", skandierten die Akteure euphorisch auf der
Bühne. Das Publikum war es auch. Die Mozart-Oper "Die Hochzeit des
Figaro" hatte am Sonnabend am Opernhaus Magdeburg ihre sehr gut besuchte
und viel bejubelte Premiere.
"So sind wir alle glücklich", skandierten die Akteure euphorisch auf der Bühne. Das Publikum war es auch. Die Mozart-Oper "Die Hochzeit des Figaro" hatte am Sonnabend am Opernhaus Magdeburg ihre sehr gut besuchte und viel bejubelte Premiere.
Magdeburg l Nach einem turbulenten Tag haben sich die einzelnen, nun "richtigen" Paare gefunden. Und das Bühnen-Glücksgefühl hat gewissermaßen als beeindruckendes Erlebnis auch das Publikum ergriffen - von Beginn an und die gut dreieinviertel Stunden der Aufführung hindurch. Mit dieser "Figaro"-Inszenierung ist der Generalintendantin Karen Stone und dem Theater Magdeburg insgesamt ein fulminanter Einstieg in die neue Spielzeit gelungen.
1786 in Wien mit revolutionärem Geist in komödiantischem Gewand uraufgeführt hat die Oper in dieser 2013er Inszenierung von Karen Stone weder an Wirkung noch an Zuschauerinteresse verloren. Die Regisseurin setzt auf Humor, treffsicheren Witz, ohne in Klamauk abzugleiten, auf Tempo und Aktion sowie auf Liebe zu Details. Und kommt damit beim Publikum gut an.
Alles, um die bekannte Geschichte mit oft verwirrenden, sehr spannenden und sich scheinbar spontan ergebenden Handlungssträngen, den schier nicht endenden Gefühls- und Stimmungslagen auf die Bühne zu bringen. Die Bühne ist für die vier Akte weniger vordergründig gestaltet, doch einfallsreich sind die vorhandenen Standesunterschiede und Milieu-Sphären, unter anderem durch Größe und Ausstattung des Bediensteten-Zimmers und des Gräfinnen-Gemachs, immer mit offensichtlicher Liebe für Treppen umgesetzt. Pfiffig realisiert war der "Schritt" vom Raum in den Pinienwald, dem damit schnell vollzogenen Übergang zum finalen vierten Akt.
Die notwendige Betrachtung der gesellschaftlichen Zusammenhänge setzt Karen Stone insbesondere durch ihre Zeichnung der handelnden Personen um. Auf der Bühne agieren Typen, unverwechselbare Charaktere, agierende Menschen mit Schwächen und Stärken, mit schmerzhaft zu spürenden Gefühlen hin bis zu explodierenden Ausbrüchen. Und sie überzeugen im Gesang ebenso. Sicher differenziert, dennoch ist die Aussage zulässig, dass Stimmen und Spiel kongenial waren. Figuren, einschließlich Chor und Statisterie, sind in mehr zeitlose, jedoch differenzierende und "typenpassende" Kostüme gekleidet.
Das viel Zwischenapplaus gebende Publikum erlebt mit Levente Páll einen Figaro mit fabelhafter voluminöser Stimme, gepaart mit Spielfreude und einer Gefühlspalette von freudiger Euphorie bis zum Tode betrübt. Julie Martin du Theil ist Figaros Geliebte Susanna als stets gut aufgelegte pfiffige junge Frau, die den sie begehrenden Grafen Almaviva reizvoll veralbert.
Martin-Jan Nijhof muss als Graf von der Rolle her letztendlich keine gute Figur machen - aber das macht er gut. Noa Danon als Gräfin präsentiert mit viel Emotionalität ihre meist bedrückende Stimmung nachvollziehbar. Als ein Publikumsliebling singt und spielt sich Sylvia Rena Ziegler bei ihrem Magdeburg-Debüt als unbedarfter Cherubino in die Herzen der Zuschauer.
Dass diese Musik Mozarts schön ist, psychologische und emotionale Tiefe ausdrückt, weiß man seit über 200 Jahren. Aber von allein nicht. Bei der Premiere hat die Magdeburger Philharmonie unter Michael Balke mit erfreulichem Engagement den Mozart\'schen Geist aus dem Graben "geliefert".
Nächste Aufführung: Sonnabend, 21. September, 19.30 Uhr