Neues Kabarettprogramm von Frank Hengstmann und Bernd Kurt Goetz Von Rent a Dent bis Rock \'n\' Rollator
"Alter Mensch sind wir jung" lautet der Titel des zweiten politisch-satirischen Kabarettprogramms von Frank Hengstmann und Bernd Kurt Goetz, das am Donnerstag im Kabarett "nach Hengstmanns" Premiere hatte. Das reifere Publikum spendete fleißig Beifall, das jüngere schien teilweise irritiert.
Magdeburg l Die Sicht alternder Männer auf diese Welt und Gesellschaft hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder eine philosophisch-theoretische oder eine komische, die sich über die eigenen zunehmenden Unzulänglichkeiten lustig macht. Frank Hengstmann und Bernd Kurt Goetz haben sich in ihrem Programm für die zweite Variante entschieden.
Sie nehmen dafür in Kauf, dass ein Teil des Publikums das nicht versteht, weil es noch zu jung ist, ein weiterer Teil nur bedingt darüber lachen kann, weil das "Über-sich-selbst-Lachen" manchmal schwer fällt, während die dritte Gruppe sich die Schenkel schlägt. Der Untertitel "politisch-satirisch" ist dabei durchaus irreführend, denn der überaus größte Teil des Programms ist reine Comedy.
Mit "Wir sind die junge Garde des Kabarettariats" eröffnen die Künstler mit im wahrsten Sinn des Wortes diversen Paukenschlägen einen Streifzug durch die Welt der Alten, wobei eigene Gebrechen, mitunter recht derb, ebenso wenig ausgespart werden wie die gesellschaftlichen Auswirkungen einer alternden Bevölkerung. Dabei lassen sie kein Klischee und kein Tabuthema aus, stürmen von Demenz bis Inkontinenz, von Jugendsprache bis Rock \'n\' Rollator durch eine "morbide Endzeitstimmung", in der man sich permanent "verjüngen will, um dann doch verdammt alt auszusehen". Das Ganze gipfelt natürlich bei den Puhdys mit "Alt wie ein Baum" in der Kabarettversion von Frank Hengstmann und Bernd Kurt Goetz.
Es war nicht genau auszumachen, ob es Regieeinfälle - die Hengstmann-Söhne zeichneten dafür verantwortlich - oder eben altersgerechte "Holperer" waren, die den Fluss des Gesamtprogramms an der einen oder anderen Stelle zum Stocken brachten. Die beiden Kabarettisten sind in ihrem Wesen und ihrer Art zu agieren recht verschieden, was das Zusammenspiel mitunter kompliziert macht, aber durchaus auch eine eigene Komik entfaltet.
Erfrischend tabulos schonen die Künstler ihr Publikum keineswegs, wenn es um die Szene der Rentnerjagd als "soziale Hege" zum Wohle des Gemeinwesens und dank eines Kopfgeldes auch des eigenen Wohles geht, oder mit "Rent a Dent" der Mietzahnersatz propagiert wird. Ebenso lässt das Lied, in dem es heißt, "dass die Hähnchenschenkel in die Apotheke gehören, denn da ist alles drin", immer mal wieder das Politisch-kabarettistische in dem Programm aufblitzen, wofür es dann auch offenen Szenenapplaus gibt. Dem folgen aber wieder lange Comedystrecken.
Der zweite Teil des Programms besteht dann aus den bewährten und bekannten Parts des Mannis mit dem urtypischen Magdeburger Dialekt, für den Frank Hengstmann berühmt ist, und dem vogtländischen Pendant von Bernd Kurt Goetz, mit dem er in seinen Soloprogrammen brilliert. Die beiden Urtypen verlieren sich allerdings etwas in dem bewährten, aber nicht neuen Konglomerat von Missverständnissen aus falsch Gehörtem und falsch Verstandenem.
"Möcht´ ich denn noch mal zwanzig sein" singen die beiden ganz zum Schluss ihres Duo-Programms, um es dann auch ganz klar mit "Nein" zu beantworten. Nun gut, auch da kann man geteilter Meinung sein.
"Alter Mensch sind wir jung" ist insofern ein mutiges Programm, weil es sich in einer Zeit des Jugendwahns einem Thema widmet, für das das potenzielle Publikum täglich mehr wird. Der ganz große Wurf ist es nicht, aber für einen unterhaltsamen Abend ist es allemal geeignet. Also: Hingehen und eine eigene Meinung bilden.