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Ed Harshs Oratorienfassung "Die Verheißung" am Anhaltischen Theater Dessau Weill-Werk als Welterstaufführung gefeiert

Von Helmut Rohm 05.03.2013, 01:19

Mit der stürmisch gefeierten Welterstaufführung des Oratoriums "Die Verheißung" in der Einrichtung durch den amerikanischen Komponisten Ed Harsh markierte das diesjährige Kurt-Weill-Fest Dessau einen Aufsehen erregenden Meilenstein der aktuellen Interpretation Weillscher Werke.

Dessau-Roßlau l Das mehraktige Bühnenwerk "Der Weg der Verheißung" von Kurt Weill (Musik) und Franz Werfel (Text) hatte 1937 in New York in der Regie von Max Reinhardt seine Uraufführung. Die deutschsprachige Erstaufführung fand erst 1999 anlässlich des 100. Geburtstages von Kurt Weill in Chemnitz als sehr aufwändig inszenierte Oper statt. Im Auftrag der Kurt-Weill-Foundation schuf Ed Harsh für Dessau eine etwa zwei Stunden dauernde komprimierte oratorische Fassung in deutscher Sprache.

Die Gäste des gut besuchten Konzertes im Anhaltischen Theater Dessau waren zunächst schon von der monumentalen Optik beeindruckt: die große und tiefe Bühne, die opulent instrumentierte Anhaltische Philharmonie und ein gewaltiger Vokalklangkörper aus Opernchor und Extrachor des Anhaltischen Theaters sowie dem Ersten Deutschen Freien Operchor "coruso" (Einstudierung von Helmut Sonne und Boris Cepeda). Ed Harshs Fassung ist zweiteilig angelegt und in 14 Nummern gegliedert. Trotz der notwendigerweise vorgenommenen Kürzungen gegenüber der Originalvorlage konnte der Konzertbesucher die auf zwei Ebenen verlaufende Gesamthandlung gut nachvollziehen. Die Rahmenhandlung mit in der Entstehungszeit durchaus aktuellen Bezügen: Eine jüdische Gemeinde sucht während eines Pogroms Schutz in einer Synagoge. Hier agiert der Rabbi (Tenor Albrecht Kludszuweit mit tief ausstrahlender Emotionalität und Solidität trotz überaus kurzfristiger Übernahme der Rolle wegen Krankheit des vorgesehenen Sängers.) Mit ihm im regen Dialog zu religiösen Problemen, mehr fragend, ein 13-jähriger Junge (überzeugend der junge Carl von Wolffersdorff) - und überwiegend konträr eine als "Der Widersprecher" bezeichnete Person (Karl Thiele ungemein engagiert).

Gestalten der jüdischen Geschichte treten auf

In dieser unsäglich bedrückenden Situation des Wartens und der Ungewissheit über das weitere Schicksal schlägt der Rabbi vor, sich an die maßgeblichen Gestalten und Vorgänge der jüdischen Geschichte zu erinnern. Auf einer gewissermaßen zweiten Ebene erleben die drei Protagonisten in der Synagoge und das Publikum anhand einer historischen Einordnung, einem großen Bilderbuch gleich, die Figuren Abraham, Jakob, Rahel, Joseph, Miriam, Mose, Noemi, Ruth, Boas, ,David, Salomo, Jesaja, Jeremia, Hananja. Dazu gehören ebenso Engel, Götzendiener und "ferne" Stimmen. Den Solisten ist durchweg überzeugender Gesang bei guter Diktion und starker persönlicher Ausstrahlung zu bescheinigen.

Teils in mehreren Rollen agierten David Ameln, Ulf Paulsen, Angelina Ruzzafante, Wiard Witholt, Rita Kapfhammer, Kyung-Il Ko, Jeong-Hoon Lee und Adam Fenger. Der Chor, auch in kleineren Formationen eindrucksvoll agierend, bestach durch klangliche Homogenität ebenso wie mit großer Klangfülle.

Das Orchester interpretierte die Weillsche Musik sehr engagiert in ihrer Vielfalt und dem innenwohnenden faszinierenden Nuancenreichtum, der sich an originale jüdische Musik anlehnt und ebenso den Bogen zu moderner Ausstrahlung spannt. Musik und Handlung verschmolzen, so von Weill wohl auch gewollt, unter der konzentrierten Gesamtleitung von GMD Antony Hermus zu einer starken Gesamtaussage.