Frankfurt/Main (dpa) - Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler ist angesichts der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie für eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio.

"In vielen Verbänden wurden die Qualifikationskriterien bereits vereinfacht, weil in der Leichtathletik die wenigsten schon qualifiziert sind", sagte der 28 Jahre alte Jenaer im Interview mit dem "Sportbuzzer". "Ich sehe derzeit keine Grundlage für einen fairen sportlichen Vergleich - und das sollen die Olympischen Spiele sein."

Der Weltklassewerfer kenne viele Sportler, die nicht richtig trainieren können. "Eine Vorbereitung unter normalen Umständen ist nicht möglich", sagte Röhler, der im Weltverband World Athletics Mitglied in der Athletenkommission ist. "In manchen Ländern gibt es derweil keine Einschränkungen. Da gibt es einfach unterschiedliche Voraussetzungen." Deshalb würde er sich über eine Verschiebung der Spiele freuen, "um die Ausgangslage für alle auf null zu setzen".

Er wisse aber auch, was finanziell für die Athleten an den Spielen hängt. "Wir sind stark beeinflusst, ich bin aber aktuell so aufgestellt, dass ich für Krisensituationen gewappnet bin", sagte Röhler. "Klar, es sollte kein Dauerzustand werden."

Dass der Profifußball über Finanzsorgen klage, amüsiere ihn etwas. "Der Fußball setzt Unmengen an Geld um - und jetzt sollen die die Ersten sein, die finanzielle Probleme bekommen?", fragte er rhetorisch. "Da mussten wir im Trainingslager schon schmunzeln."

Eine mögliche Unterstützung der Sportler durch den Staat fände Röhler gut. "Ich würde es mir wünschen, weil wir als Sportler auch unser Land vertreten. Von uns wird gefordert, dass wir uns professionell weiter auf die Olympischen Spiele vorbereiten", meinte er. "Und spätestens 2021 werden wieder wichtige Wettkämpfe stattfinden. Ich bin gespannt, ob wir Unterstützung bekommen."

Interview Röhler bei Sportbuzzer