Berlin (dpa) - Am kommenden Sonntag können die Zuschauer in Münchens Residenztheater wieder mit einem blutigen Abend rechnen. Auf dem Programm steht "McBeth", Sophie von Kessel spielt die weibliche Hauptrolle, Lady McBeth, die ihren Mann die Leiter der Macht hinauftreibt - koste es, was es wolle.

Die Schauspielerin wird diesen Monat auch noch als Organs Frau Elmire in Molières "Tartuffe" und als Gattin von "König Ödipus" zu erleben sein. Mit Anfang 40 kam sie als festes Ensemblemitglied zum Residenztheater. Heute wird sie 49 Jahre.

Man sieht ihr das Alter nicht an. Sophie von Kessel ist hochgewachsen und gertenschlank, blond und ihre großen blauen Augen blitzen. Um ihre jugendliche Ausstrahlung zu erhalten, treibe sie viel Sport, hat sie 2014 der "Bild"-Zeitung verraten. "Ansonsten sind es die Gene, für die ich mich bei meiner Mutter bedanke", sagte sie.

Die schöne Mimin steht aber nicht nur regelmäßig auf der Bühne, sondern dreht auch Filme. Im Fernsehen ist sie zuletzt Anfang dieses Jahres im ZDF-Krimi "Ein Kommissar kehrt zurück" neben Uwe Kockisch zu sehen gewesen. Im Laufe ihrer mittlerweile 25-jährigen Karriere hat sie sich mit weiteren namhaften Kollegen die Kamera geteilt, darunter mit Charlton Heston in "Camino de Santiago" (1999), mit Götz George in "Familienkreise" (2003) oder Alain Delon im Thriller-Mehrteiler "Frank Riva" (2004). Mit dem Hollywoodstar John Malkovich feierte sie indes im März eine Weltpremiere in der Hamburger Elbphilharmonie: Im Musiktheaterstück "Just call me God" gab er einen durchgeknallten Diktator, sie eine taffe Krisengebietsreporterin.

"Das Spannende an meinem Beruf ist, ich kann die verschiedensten Sachen machen, denn die Theaterarbeit ist so ganz anders als der Film und doch ist die Basis die gleiche", zitiert der Deutschlandfunk die Actrice, die sofort nach dem Abschluss ihres Schauspielstudiums in New York und Wien beruflich Fuß fassen konnte. Ihr erstes Engagement war 1992 am Stadttheater in Aachen, Ende des selben Jahres wurde sie auch als hübsche, aber arme Medizinstudentin in Adelskreisen in der ARD-Vorabendserie "Schloss Hohenstein - Irrwege zum Glück" einem größerem Publikum bekannt. Ihre erste Hauptrolle bekam sie dann 1993 in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Danach achtete sie aber mit Bedacht darauf, sich nicht auf Herz-Schmerz-Rollen festlegen zu lassen.

Geboren am 12. Oktober 1968 in Mexiko City, wuchs Sophie von Kessel als Tochter eines deutschen Diplomaten unter anderem in Finnland, Österreich und in den USA auf. Die vielen Umzüge haben sie zu einer Kosmopolitin werden lassen.

"Ich kenne das Heimatgefühl nicht. Mein Heimatgefühl hat mit Menschen zu tun, nicht mit einem Ort. Ich fühle mich dort zuhause, wo meine Liebsten sind. Aber das gibt mir auch eine gewisse Freiheit und Offenheit, weil ich nicht an bestimmte Orte gebunden bin", sagte sie einmal dem österreichischen Magazin "Wienerin". Dennoch scheint sie inzwischen sesshaft geworden zu sein. Sie lebt schon lange mit einer Tochter und einem Sohn in der bayerischen Landeshauptstadt. Vater der Kinder ist ihr Schauspielkollege Stefan Hunstein, von dem sie seit 2010 getrennt ist.