Burg/Genthin l „Der Mais ist in diesem Jahr eine Katastrophe“, auf diese kurze aber deutliche Formel, brachte es Agrargenossenschaftschef und Ortschaftsrat Lars Behrendt, als er während der jüngsten Sitzung des Gremiums in Paplitz nach dem Stand der Ernte gefragt wurde. Allerdings sei die Maisernte auch in den vergangenen Jahren extrem wechselhaft gewesen: 2016 vertrocknet, 2017 gut, 2018 wieder weniger ertragreich. Positiv bewertete Behrendt die Erträge der Wintergerste, beim Roggen lasse sich die Entwicklung noch nicht absehen.

Klage über zu wenig Regen

So wie beim Paplitzer Agrargenossenschaftschef fällt die Zwischenbilanz auch bei den übrigen Landwirten im Jerichower Land aus. Nach dem Katastrophenjahr 2018 mit seiner Hitze und Trockenheit wird es in der Landwirtschaft in diesem Jahr nicht leichter. „Die Belastung vom Vorjahr kommt noch hinzu und Regen hat es ja auch nur punktuell gegeben“, erklärte Erik Hecht, Pressesprecher des Landesbauernverbandes.

Zahlungen kommen erst viel später

So werde die Gerste sogar noch unter dem Durchschnitt des vergangenen Jahres liegen. Es habe schon zwei Schnitte gegeben, jedoch seien beide nicht überzeugend gewesen. Der Raps sei bereits angeschnitten worden, allerdings noch zu feucht, die Frucht noch nicht ausgereift genug. Der Flächenertrag werde unter dem von 20018 liegen. Gerechnet werde mit höchsten 20 Dezitonnen pro Hektar. „Normalerweise liegt der Ertrag über 30“, ordnete Hecht ein.

Und was in diesem Jahr wieder fehlen werde, ist das Stroh. Das könne er auch schon für Roggen und Weizen vorhersagen, wo die Ernte nicht besser ausfallen werde. Das führe dann wiederum zu Mangel beim Tierfutter, was schon im vergangenen Jahr Rekordpreise erreicht hatte. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung entwickelt sich dies zum größten Problem. Beim Mais werde es eine Ernte höchstens in Masse, nicht aber von Klasse geben.

Schleppendes Vorankommen

Nicht nur bei den Bodenverhältnissen leiden die Landwirte im Jerichower Land noch unter dem vergangenen Jahr. Die Lage auf den Feldern und die damit verbundene wirtschaftliche Situation ist auch deshalb besonders, da die Dürrehilfen aus 2018 erst zur Hälfte ausgezahlt sind. „Für die antragsberechtigten Betriebe fehlen immer noch vielfach die dringend notwendigen, liquiditätssichernden Abschlusszahlungen und das Verfahren kommt zum Teil nur schleppend voran“, sagte Hecht.

Zusätzlich würden die im vergangenen Jahr erbrachten „Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen“ (AUKM) in diesem Jahr später als in den Vorjahren vergütet, die Zahlungen seien teils erst für September geplant. Das führe zu weiteren finanziellen Engpässen bei den Betrieben. Der Bauernverband Sachsen-Anhalt habe hier schon länger Handlungsbedarf seitens des Landwirtschaftsministeriums angemahnt, um die von Trockenstress und der schwierigen Marktlage betroffenen Betriebe finanziell zu unterstützen.

Immerhin, von einem Lichtblick wusste Hecht zu berichten. „Das Land hat die ökologischen Vorzugsflächen freigegeben“, sagte er. „Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen, die unseren Unternehmen helfen, mit den Auswirkungen der Dürre umzugehen“, wird Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) in einer Pressemitteilung zitiert. Der Aufwuchs von Brachen wird nun für tierhaltende Betriebe als Futter zugelassen.