Menz l Zu allererst stand sie als Kundin im Laden, dann arbeitete sie als Schüleraushilfe mit und seit vergangenem Sommer ist Marie Christin Vorhölter aus Gübs die erste Frau, die in der Fleischerei Schumburg den Beruf des Fleischers erlernt. Parallel zu ihrer Berufsausbildung studiert die 19-Jährige, die am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg ihr Abitur ablegte, in Hannover Handwerksmanagement. Im Studium integriert sind zwei Meisterblöcke. „Danach fehlen mir noch zwei Blöcke, die ich nach dem Gesellenbrief machen kann“, erzählte Marie Christin Vorhölter. Ihre triale Ausbildung ist in Sachsen-Anhalt etwas besonderes.

Für das Gespräch im Aufenthaltsraum der Fleischerei Schumburg hat sie sich umgezogen. Kopfbedeckung, Kettenhandschuh und Kettenschürze abgelegt. Zu ihrer Berufsbekleidung gehören zudem die Fleischerschürze und das bekannte blau-weiß gestreifte Fleischerhemd sowie festes Schuhwerk oder spezielle Gummistiefel.

Am Tisch arbeitet sie mit zwei Messern, dem großen Sortiermesser und dem kleineren Ausputzmesser, mit denen der Fleischer(lehrling) in die Knochenbereiche vordringen kann. Es gebe keinen Aspekt des Berufs, der ihr keinen Spaß bereite. Ob Zerlegen, Wurstverarbeitung oder Reinigen: „Ich habe vorher einen guten Einblick bekommen, was der Job bedeutet.“

Erster weiblicher Lehrling

Aufgrund ihrer langen Erfahrung durch Schulpraktika und Ferienhilfe sei ihr theoretisches Wissen sehr stark, sagte Fleischermeister Myke Schumburg. Weil Marie Christin Vorhölter als Abiturientin aber im zweiten Lehrjahr einsteige, muss ihr am Tisch „geballt Wissen vermittelt“ werden. Sie muss an Praxis nachholen, was die „normalen Lehrlinge“ schon im ersten Ausbildungsjahr gelernt haben. Andererseits bringe sie durch ihre Zeit als Aushilfe sehr viel Vorwissen in die Produktion mit, was die weitere Verwendung des Fleisches anbetrifft.

„Wir waren angenehm überrascht, dass sie den Beruf des Fleischers erlernen möchte“, sagte Myke Schumburg. Einen weiblichen Lehrling hatte es zuvor in dem Traditionsbetrieb noch nicht gegeben. Wobei die Menzer Fleischerei regelmäßig ausbildet. „Wenn der entsprechende Bewerber kommt, dann bilden wir aus.“ Das passierte in den vergangenen Jahren jedoch immer seltener.

Noch geringer sei das Interesse an der Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin. Dabei sei es nicht nur ein abwechslungsreicher Beruf, sondern habe inzwischen auch viel mit modernen Maschinen und Computersteuerung zu tun. Und biete obendrein ein tolles Frühstücks- und Mittagsbuffet, setzte Myke Schumburg mit einem Augenzwinkern hinzu. Bewerbungen sind gerne gesehen.

Studium des Handwerksmanagements

Für Marie Christin Vorhölter hat es keinen anderen Berufswunsch gegeben. Auf die triale Ausbildung war sie im Berufsinformationszentrum aufmerksam gemacht worden. Schon vor einem Jahr hatte sie die Aufnahmeprüfung für das viereinhalbjährige Studium bestanden. „Mein Ausbildungsplatz stand auch relativ früh fest.“

Die dreifache Belastung sei machbar. Je zwei Wochen ist sie im Ausbildungsbetrieb, dann eine Woche in der Berufsschule in Weißenfels. Für das Studium muss sie einmal im Monat für zwei Tage nach Hannover und erhält zudem Online-Vorlesungen. „Herr Schumburg, der Betrieb, die Dozenten und die Berufsschule unterstützen mich alle.“

Wohin sie ihre Ausbildung einmal führen soll, weiß Marie Christin Vorhölter noch nicht genau. Eine eigene Fleischerei? Das kann sie noch nicht sagen. Ihre Zielstellung ist aber klar: „Ich will das Bestmögliche aus mir rausholen“.